Eine Zis-Stipendiatin in Südfrankreich verkauft Lavendelsträuße und Marmeladen
Foto: Zis-Stiftung

Wie funktioniert eigentlich ein Zis-Stipendium? Man muss seine Auslandsreise selbst planen, alleine reisen, mindestens vier Wochen unterwegs sen. Man darf kein Flugzeug als Transportmittel benutzen und maximal 600 Euro für alles ausgeben. Man sollte einen roten Faden, ein Reisethema, haben und unterwegs ein Reisetagebuch führen.

Wegen Corona mussten die diesjährigen Stipendiaten auf ihre Reise verzichten. Möglicherweise können sie diese im nächsten Jahr nachholen. Die Zis-Stiftung akzeptiert auch Bewerber aus dem Ausland, nur sollten diese sich dann für die deutsche Kultur interessieren. Mehr auch auf zis-reisen.de und facebook.com/zis-reisen

Hier ein paar schöne Beispiele aus den letzten Jahren: Nach Südfrankreich reiste Chiara Fleischhacker, um auf mehreren Weingütern das französische Savoir-vivre kennenzulernen. Sie lernte, dass Savoir-vivre gutes Benehmen und Höflichkeit bedeutet, die Kunst, ein gutes Leben zu führen. Das erfuhr sie von ihrem ersten Gastgeber, einem Bio-Landwirt und Winzer in der Ardèche.

Vier Wochen hat Tabitha Teufel auf den Äolischen Inseln Stromboli und Lipari, nordöstlich von Sizilien, verbracht. Sie wollte wissen, wie es sich auf Inseln lebt, die von Massentourismus, Vulkanausbrüchen und Stürmen bedroht sind, kletterte unter anderem mit einem Vulkanführer auf den Stromboli und begleitete einen Fotografen auf Lipari.

Valbone Merturi reiste in den Kosovo, das Land, das sie im Alter von acht Jahren 1999 wegen des Kosovokrieges verlassen musste. Sie befragte dort Frauen auf dem Lande und in den Städten über ihren Alltag und ihre Lebensentwürfe.

Wie es zu den Eisdielen in Deutschland kam, erforschte Fabian Schöneck. Viele der 4500 Bewohner des Val di Zoldo in den Dolomiten emigrierten, sie hatten nicht genug zum Leben, sie wanderten nach Österreich aus. Dort lernten sie, Eis herzustellen. Von dort ging es weiter nach Deutschland, mit mobilen Eiswagen, als das Mobile verboten wurde, schraubten sie die Räder ab. Voilà, angekommen in Deutschland.

100 Jahre irische Teilung – Wo steht der Nordirlandkonflikt heute? Lorenz Böttcher setzte sich zum Ziel, Menschen und Orte in Nordirland sowie in der Republik Irland aufzusuchen, deren Leben von der irischen Teilung geprägt sind. Er beschäftigte sich mit historischen Texten, Literatur und biografischen Erzählungen, die er mit seinen Rechercheergebnissen verknüpfte.

„Leben wie Gott in Frankreich“ hieß das Projekt von Gesine Stern. Sie reiste zu fünf Klöstern, um sich nach der Lebensweise der Nonnen zu erkundigen. Sind die Schwestern einsam und frustriert? Kurzantwort: die einen leben ein kontemplatives Leben, die anderen widmen sich dem Helfen. Frustriert sind sie nicht.

Victoria Scholl interessierte sich für die Herstellung von Knäckebrot in Schweden. Mats Fabrik lud sie nach Hause ein, zu Salat und selbst gemachten Knäckebrot, überzogen mit einer haudünnen Schokoladenschicht, „After Eight des Nordens“.