Erst-, Fünft- und Siebtklässler dürfen „ab 11. Mai“ wieder in die Schule – aber nicht unbedingt am 11. Mai selbst.
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BerlinDie Schulen füllen sich langsam. Von diesem Montag an  sollen weitere Jahrgänge wieder am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen: die Stufen 1 und 5 an den Grundschulen und Gemeinschaftsschulen, an die vergangene Woche bereits die Sechstklässler zurückgekehrt sind. Damit erhalten ab Montag rund 78.000 Grundschüler potenziell wieder Unterricht.

Auch die siebten Klassenstufen an Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen sollen zurück in die Schule kommen – genau so wie Schüler, bei denen Lehrer erhöhten Unterstützungsbedarf sehen, weil sie zu Hause nicht ausreichend unterstützt werden können, mit dem Fernunterricht nicht zurechtkommen oder ihnen die technische Ausstattung fehlt. Welche das sind, sollen Schulleitungen selbst entscheiden können. Auch die Notbetreuung geht weiter.

Bis zum 29. Mai solle es außerdem auch für alle anderen Jahrgänge ein „Präsenzangebot mit reduzierter Stundentafel“ geben, so die Senatsschulverwaltung. Die Abschlussklassen des kommenden Schuljahres gehen bereits seit vergangener Woche wieder in die Schule, die 10. Klassen seit dem 27. April. Seit dem 20. April werden außerdem Abiturprüfungen geschrieben – in der Woche ab dem 11. Mai steht unter anderem der letzte Haupttermin für ein Leistungsfach (Physik) an. Außerdem beginnen die mündlichen Prüfungen.

Die neuen Vorgaben von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatten viele Schulleitungen vergangene Woche überrumpelt. Tatsächlich war die entsprechende Benachrichtigung erst am Mittwochabend eingegangen, weswegen viele Schulleitungen ihren Feiertag und das Wochenende opfern mussten, um Räume vorzubereiten und Pläne zu schreiben. Auch die Formulierung „ab dem 11. Mai“ sorgte bei Schulen und Eltern für Verwirrung. Dass dies nicht bedeutet, dass am Montag alle der genannten Jahrgangsstufen wieder in der Schule erscheinen sollen, mussten Senatsverwaltung und Staatssekretärin Beate Stoffers im Nachgang noch mehrfach präzisieren.

An den Schulen wird jetzt sehr unterschiedlich vorgegangen: Die „neuen“ Rückkehrer werden zum Teil erst gegen Ende der Woche oder noch später an die Schule geholt. Viele Eltern berichten auch, noch gar keine Meldung erhalten zu haben, wann ihre Kinder wieder in die Schulen dürfen. Andere ärgern sich, weil die Termine zum Teil spärlich ausfallen. Ein Vater aus Kreuzberg berichtete der Berliner Zeitung, sein Erstklässler solle einmal die Woche für drei Stunden in die Schule kommen  - bis zu den Sommerferien: „Das ist eigentlich keinerlei Verbesserung zu vorher.“ Ihm gehe es gar nicht so sehr um den verpassten Stoff, sondern um das Erhalten des Systems Schule: „Die ganze Sache bedeutet, dass die Kinder von März bis August kaum in der Schule gewesen sein werden. Die müssen danach komplett neu eingewöhnt werden“, fürchtet der Mann.

Scharfe Kritik kommt von der Opposition im Abgeordnetenhaus: „Die Kinder besuchen bis zu den Sommerferien teilweise für weniger als zehn Tage die Schule“, sagte Paul Fresdorf, der bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Das sei „eher ein touristisches als ein Bildungsangebot“. Auch Dirk Stettner (CDU) bezeichnete die Öffnung als von Scheeres „sehr schlecht vorbereitet“.

Die Schulen leiden unter Ressourcenknappheit – noch mehr als sonst: Sie arbeiten mit stark reduziertem Personal, weil berlinweit etwa 30 Prozent des pädagogischen Personals einer Risikogruppe angehören. Gleichzeitig müssen sie weiterhin auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln achten. Wie kompliziert so etwas werden kann, demonstrierte Constanze Rosengart, ehemalige Kreisvorsitzende der Spandauer Grünen und Schulleiterin der Carl-Schurz-Grundschule, auf Twitter:

Der Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Miguel Góngora,  kritisierte am Sonntag, der „Hygieneplan Corona“ der Senatsschulverwaltung könne an mehreren Schulen nicht vollständig umgesetzt werden. Die Senatsverwaltung müsse die Maßnahmen aufstocken, sagte Góngora: „Wir erwarten eine kontinuierliche Prüfung durch die Schulaufsicht.“ Ohne die Einhaltung aller Hygienebedingungen dürfe kein Präsenzunterricht stattfinden.