Quotendebatte ist nur ein AblenkungsmanöverMeinung: "Quotenfrauen" von Brigitte Fehrle (4. Februar) und Politik: "Ein Gipfel über die Quote" von Daniela Vates (1. Februar):Das Thema Frauenquote eignet sich vorzüglich zur medialen Selbstdarstellung im bevorstehenden Talkshow-Reigen. Nebenbei lenkt es von den eigentlichen Problemen auf dem Arbeitsmarkt ab. Davon, wie sehr (nicht nur) Frauen im bestehenden Hartz-IV-System entmündigt und gegängelt werden. Den Mut zur notwendigen gesellschaftlichen Debatte betreffend einer wirklichen Grundsicherung sehe ich derzeit weder bei der Regierung noch der Opposition.Annette Hund, BerlinKein Wegbereiter des NationalsozialismusMeinung: "Die Leiche im Keller der FDP" von Götz Aly (25. Januar):Der Historiker Götz Aly hat in einer kritischen Bewertung Friedrich Naumanns die Frage an die Friedrich-Naumann-Stiftung gerichtet, warum sie diesen Namen pflegt und hinzugefügt, ob ihr wirklich alles egal sei. Diese Urteilsgewissheit verlangt nach einer Erwiderung.Wir wissen, dass Friedrich Naumann lange Zeit Verfechter einer kraftvollen Außenpolitik und eines deutschen Ausgreifens nach Übersee war, und dass er dem Imperialismus das Wort redete, wie im Übrigen die allermeisten seiner Zeitgenossen. Die politischen Ansichten von Friedrich Naumann in diesen Fragen sind nicht nur aus heutiger Sicht problematisch, was auch die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit nie verhehlt hat. Das geht aus dem von uns unterstützten Sammelband "Friedrich Naumann in seiner Zeit" (2000) hervor, aber auch schon aus der Einleitung zu Friedrich Naumanns gesammelten Werken in 1964. Es gibt da nichts zu beschönigen.Wenn allerdings Aly den nationalsozialen Katechismus Friedrich Naumanns nicht nur ausschnitthaft zur Kenntnis genommen hätte, dann wäre ihm sicher aufgefallen, dass dort auch zu lesen ist, dass man weder die Juden noch andere Minderheiten diskriminieren dürfte, dass die politische Bildung gehoben werden muss, dass das demokratische Wahlrecht ausgebaut werden und die Emanzipation der Frau gefördert werden soll. Der Naumann der nationalsozialen Zeit war kein Nationalsozialist. Er bemängelte fast zur gleichen Zeit das Fehlen eines elementaren Liberalismus nach angelsächsischem Vorbild in Deutschland zutiefst, und sein grande design für die deutsche Innenpolitik lief auf ein Bündnis von Bassermann bis Bebel, also auch von liberalen und gemäßigten Sozialdemokraten, hinaus, die ihm 1907 zu seinem ersten großen Wahlerfolg verhalfen.Wäre der 1919 verstorbene Naumann wirklich ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen, wie Aly behauptet, dann wäre nur schwer zu erklären, warum Naumanns Zeitschrift "Die Hilfe" bis Mitte der 30er-Jahre gleichgeschaltet wurde, warum Theodor Heuss als ihr Chefredakteur und zugleich politischer Nachlassverwalter Naumanns die Leitung des Mediums abgeben musste und warum er so große Probleme bei der Veröffentlichung seiner Naumann-Biografie hatte.Ganz zu schweigen davon, dass Naumann, ein Wegbereiter der politischen Erwachsenenbildung, für moderne Betriebsverfassungen eintrat, dass er engagiert an der Weimarer Reichsverfassung mitgearbeitet hat und wusste, dass eine geschriebene Verfassung nicht genügt. Gerade seine Verdienste, die er sich deshalb um die politische Erwachsenenbildung erwarb, sind es, die ihn mit der Stiftung verbinden.Dr. Wolfgang Gerhardt, MdB, Vorsitzender des Vorstands der Friedrich-Naumann-StiftungDa weiß man doch, woran man bei der CDU istPolitik: "Keine Wahlnomaden mehr in der CDU" von Annika Joeres (1.Februar):Ich bin beeindruckt. Was hat da die CDU für junge "kreative" Köpfe in ihren Reihen: Wahlnomaden! Ist das noch "Erschleichung eines Vorteils" oder schon Wahlbetrug? Ein Glück, dass diese Praxis öffentlich wurde, da weiß man, woran man ist.Anne Hanke, Potsdam