Er galt als Drahtzieher im wohl größten Fall von Vereinigungskriminalität: Im Dezember vergangenen Jahres wurde Michael Rottmann vom Berliner Landgericht wegen schwerer Untreue zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. In diesem letzten Prozess um einen der größten Betrugsfälle bei der Privatisierung ostdeutscher Unternehmen ging es um die Berliner Wärmeanlagenbau GmbH (WBB). Rottmann wurde verurteilt, weil er aus Sicht der Richter kurz nach der Wende die Firma um rund 100 Millionen Mark geschädigt hat. Rund 20 Millionen davon soll Rottmann für sich behalten haben.Bis vergangene Woche saß der heute 67-Jährige in Haft. Wie die Berliner Zeitung gestern erfuhr, wurde Rottmann jetzt entlassen: Der Bundesgerichtshof in Leipzig hat auf Rottmanns Revision hin mit Beschluss vom 28. Oktober das Urteil gegen ihn aufgehoben und das Verfahren eingestellt (Az. 5StR 263/10). Damit bleiben Rottmanns Taten weitgehend ungesühnt. Ob er für die Haftzeit entschädigt wird, darüber muss noch entschieden werden.Rottmanns Düsseldorfer Anwalt Sven Thomas erklärte auf Nachfrage, dass die obersten deutschen Strafrichter das Verfahren eingestellt haben, weil die Untreue-Vorwürfe verjährt seien. Die Berliner Richter hätten Fehler bei den Fristen im Zusammenhang mit dem Auslieferungsverfahren gemacht. Eine detaillierte Begründung der Entscheidung liegt noch nicht vor. Ohnehin hatte das Landgericht bei dem Prozess gegen Rottmann nur noch drei Fälle aus der ursprünglichen Anklage verurteilt und die anderen bereits als verjährt angesehen.Rottmann hatte sich zunächst ins Ausland abgesetzt. Im Jahr 2000 wurde er in London festgenommen, kam aber auf Kaution frei. Erst neun Jahre später, im Juli 2009, wurde er ausgeliefert. Er hatte in London immer wieder Rechtsmittel gegen seine Auslieferung eingelegt.Der aus Oberhausen stammende Kaufmann hatte die WBB 1991 über seine Schweizer Firma Chematec der Treuhand für zwei Millionen Mark abgekauft. Angeblich wollte er "Kraftwerke wie Brötchen backen". Die Berliner Wärmeanlagenbau GmbH war zu DDR-Zeiten der führende Anlagenbauer von Heiz- und Wärmetechnik. Die GmbH war im August 1990 als Nachfolgerin des seit 1969 bestehenden VEB Wärmeanlagen-Bau Berlin von der Treuhand gegründet und mit einem Stammkapital von vier Millionen Mark im Handelsregister eingetragen worden. Zu dieser Zeit hatte der Betrieb noch rund 1200 Mitarbeiter. Anfang 1995 gab es die WBB dann nur noch auf dem Papier.Damit er von der Treuhand den Zuschlag bekam, hatte Rottmann die Chematec als solides Unternehmen beschrieben. Der damalige Treuhand-Chef Detlev Rohwedder zeichnete den Vertrag mit ab, die Angaben zur Chematec prüfte niemand nach. Die Firma soll zu dieser Zeit schon in Zahlungsschwierigkeiten gesteckt haben. Die Treuhand hat offenbar auch das tatsächliche Vermögen der WBB übersehen. Der Betrieb war zwar technisch marode, aber er verfügte per 31. Dezember 1990 auf seinen Konten noch über 153 Millionen Mark aus Anzahlungen von Auftraggebern und über Immobilien. Allein der Verkehrswert des Firmensitzes an der Wallstraße in Mitte wurde später auf 100 Millionen Mark geschätzt.In der folgenden Zeit hatten Rottmann und seine Manager-Kollegen ein verwirrendes Konglomerat von 17 Firmen in der Schweiz, in Holland und in Liechtenstein aufgebaut, die WBB-Millionen versickerten nach und nach. Im November 1994 meldete die WBB Konkurs an. Einstige Mitstreiter von Rottmann wurden bereits in Berlin verurteilt. Zwei erhielten wegen Untreue Haftstrafen von drei Jahren, einer eine zweijährige Bewährungsstrafe.Ehemalige WBB-Mitarbeiter hatten im vergangenen Jahr den Prozess gegen Rottmann verfolgt. Vor Gericht hatte er zugegeben, von der WBB mehr Kapital entnommen zu haben als erlaubt gewesen sei. Er sprach von Überforderung, von "gravierenden Fehleinschätzungen" und falscher Beratung. Sich selbst bezeichnete er als armen Rentner. Von dem WBB-Geld ist angeblich nichts mehr übrig.------------------------------Foto: Stand wegen Veruntreuung von Millionen vor Gericht, jetzt ist er frei: Michael Rottmann, ehemaliger Manager der WBB.