Vom Lebensmittelpranger spricht die Industrie und - wie sollte es anders sein - die FDP. Die Wortwahl ist entlarvend, denn das so verunglimpfte Internetportal Lebensmittelklarheit des Verbraucherzentrale Bundesverbands, will nichts anderes als Täuschung aufdecken. Wer auf der Vorderseite seiner Verpackung hundert Prozent eines Lebensmittels verspricht, auf der Rückseite aber kleingedruckt vermerkt, dass nur 76 Prozent drin sind, führt den potenziellen Kunden bewusst hinters Licht. Dass die Lebensmittelindustrie gegen die Aufklärung derartiger Betrugsversuche polemisiert, mag man noch verstehen. Man kann es falsch verstandenes Eigeninteresse nennen oder einfach Dummheit. Dass die "Bürgerrechtspartei" FDP schwere Bedenken gegen eine Beteiligung der Verbraucher an dieser Aufklärungsarbeit vorbringt, muss man indes anders interpretieren. Sie muss aus wohlverstandenem Eigeninteresse gegen die Entlarvung von Mogelpackungen sein.Das Internetportal Lebensmittelklarheit ist noch kein Fortschritt, aber allemal ein Schritt voran. Selbstverständlich kann sich der gut situierte, aufgeklärte Verbraucher auch am Lebensmittelregal gegen Formfleisch, Analogkäse und anderen Dreck entscheiden. Er hat nun aber auch die Gelegenheit, mit Hilfe des Portals dafür zu sorgen, dass die Hersteller ihre Lebensmittelimitate nicht ohne Weiteres in den Regalen der Billigdiscounter abladen können.