Leidschendam - Fünfzehn Minuten brauchte Richter George King für seine Begründung, dann bekräftigte er das Urteil: „Die Berufungskammer bestätigt die Strafe von 50 Jahren Gefängnis“, so King. Liberias früherer Machthaber Charles Taylor, genannt der Schlächter von Monrovia, bleibt damit in Haft. Aber nicht für die Verbrechen, die er in seiner Heimat begangen hat, sondern für das Schüren des Bürgerkriegs im benachbarten Sierra Leone, dem zwischen 1991 und 2002 rund 120 000 Menschen zum Opfer fielen. Auf Mord, Vergewaltigung und Terror, lautete die Anklage des Sondertribunals für Sierra Leone im holländischen Leidschendam. Richter King hat es nun bestätigt.

Erstmals seit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde ein ehemaliger Staatschef für seine Verstöße gegen das Völkerrecht verurteilt. Taylor hatte stets seine Unschuld beteuert. „Nicht schuldig, Euer Ehren“, hatte er bei der Prozesseröffnung 2010 gesagt. Zeugen berichteten anderes. „Töten war so normal wie Wassertrinken“, beschrieb ein Kämpfer die Gewalt im Bürgerkrieg in Sierra Leone.

Taylor, der in den USA Volkswirtschaft studierte, hatte sich 1989 in Liberia an die Macht geputscht. Bald machte er sich daran, im benachbarten Sierra Leone den Konflikt zu schüren. Er unterstützte den Aufstand der Revolutionary United Front (RUF) des berüchtigten Rebellenführers Foday Sankoh. Dessen Truppen waren gefürchtet. Zuerst kam die Burn Down Unit, die alles in Schutt und Asche legte. Dann folgte das Cut Down Commando: den Menschen wurden mit Macheten die Hände abgeschlagen. Bis heute prägen die Verstümmelten das Stadtbild von Sierra Leone.

Naomi Campbell als Zeugin

Taylor ging es vor allem um Diamanten. Vor Gericht wurden deshalb auch die Schauspielerin Mia Farrow und Model Naomi Campbell gehört. Campbell soll von Taylor in einem Hotel in Südafrika ein Blutdiamant überbracht worden sein. Das Model hatte aber in einem bizarren Auftritt vor Gericht erklärt: „Ich bin es gewohnt, Geschenke zu bekommen, auch mitten in der Nacht.“

Nachdem in Sierra Leone UN-Blauhelme für Frieden sorgen, hatte sich Taylor 2003 zunächst abgesetzt, 2006 wurde er an das UN-Tribunal ausgeliefert. „Wir hörten, dass da Menschen getötet und Frauen vergewaltigt wurden. Wir konnten das nicht verstehen“, hatte Taylor beteuert. Die Richter schenkten ihm keinen Glauben und bestätigten das im Vorjahr in erster Instanz ergangene Urteil. Der 65-jährige Taylor bleibt weiter in britischer Haft.

Das Urteil gegen den früheren Staatschef ist wegweisend, aber es gibt auch Kritik. Bislang richtete sich internationale Strafverfolgung vornehmlich gegen afrikanische Staatschefs. Der kanadische Völkerrechtler William Shabas hatte daher zuletzt in seinem klugen Buch „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“ gerügt: Die internationale Gerichtsbarkeit „ist auch außerhalb Afrikas notwendig, in Ländern wie Sri Lanka, dem Irak, Myanmar und Palästina“. Den Grund für die Zurückhaltung schob er hinterher: „Doch bei all diesen Konflikten sind auch die strategischen Interessen der großen Weltmächte im Spiel.“ Das neue Völkerrecht muss seine Stärke also erst noch beweisen.