Friedrich Hölderlin, so viel steht fest, muss ein früher Fan von Schalke 04 gewesen sein. Wie sonst hätte er in seinem Gedicht "An die Parzen"schreiben können: "Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen! Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, dass williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget, dann mir sterbe." Die Parzen, dass sind bekanntlich jene drei Göttinnen, die emsig das Netz des Schicksals weben. Man darf davon ausgehen, dass sie nebenbei noch mit besonderer Boshaftigkeit an einem blau-weißen Schal stricken. Es scheint besagten Parzen jedenfalls ein göttliches Vergnügen zu bereiten, die Fans des FC Schalke 04 möglichst dicht vor fast schon sichere Triumphe zu führen, um dann im letzten Moment den Schicksalsfaden rüde durchzuschneiden und ihre Opfer in bodenlose Verzweiflung und tiefe Täler der Tränen zu stoßen.Am Dienstag trieben die Damen erneut ihr grausames Spiel. Während sie dem VfB Stuttgart die Gnade erwiesen, sich fortan auf die Liga konzentrieren zu können, und den Bremern die Gewissheit des Uefa-Cups bescherten, bugsierten sie Schalke ins Achtelfinale der Champions League. Was war das doch für ein Jubilieren und Paradieren in der Gelsenkirchener Arena, inmitten stolzgeschwellter Brüste und markiger Worte. Wen scherte es schon, dass das Weiterkommen nur zwei dünnen Siegen gegen Trondheim und einem seltsamen Verlauf dieser Gruppe B geschuldet war. Kapitän Marcelo Bordon gewiss nicht, der kühn behauptete, Schalke spiele immer gut, wenn der Druck besonders groß sei. Da hat der Brasilianer doch glatt vergessen, dass Schalke in den vergangenen Jahren bei besonderem Druck stets besonders grauenhaft spielte - Stichwort: BVB.Nun werden also die blau-weißen Fans bis zum Februar ganz fest daran glauben, dass ihr Team diesmal die Champions League gewinnt, so wie einst die Unaussprechlichen aus Nord-Lüdenscheid, bis im Achtelfinale ein FC Porto oder AC Mailand daherkommt und den eitlen Traum schnöde beendet. "Der fürchte sie doppelt, den je sie erheben", riet schließlich schon Johann Wolfgang von Goethe im "Lied der Parzen".