PRENZLAUER BERG. Jahrelang geschah auf dem Gelände der Königstadt-Brauerei an der Saarbrücker Straße überhaupt nichts. Jetzt tut sich zwar was, sorgt aber bei den Beteiligten für Verdruss. Denn der Liegenschaftsfonds Berlin will das Gelände gleich an zwei Bewerber verkaufen: Die Genossenschaft Königstadt-Brauerei und die Firma Dinamix sollen sich nach dem Willen des Fonds auf ein gemeinsames Konzept einigen. Genau daran aber könnte der Verkauf des 10 000 Quadrameter großen Areals scheitern. Vor drei Jahren hat sich die Werbefirma Dinamix mit 54 Mitarbeitern auf dem Brauereigelände angesiedelt. Ein Zusammengehen mit der Genossenschaft schließt man bei Dinamix definitiv aus. "Ein Genossenschaftsmodell erscheint uns wirtschaftlich nicht tragfähig", sagt Geschäftsführer Tadeusz Szelinski.Verwundert über die Entscheidung des Liegenschaftsfonds ist vor allem der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft Klaus Lemmnitz. Von 33 Firmen, die auf dem Gelände ansässig sind, gehören 23 zur Genossenschaft. Seit zehn Jahren wollen die Mitglieder die ehemalige Brauerei kaufen und als kommunalen Gewerbehof führen - mit Unterstützung des Bezirks. "Wir haben uns am wirtschaftspolitischen Interesse des Bezirkes orientiert und waren deshalb sicher, das beste Konzept zu haben", sagt Lemmnitz. Die Genossenschaft plant eine behutsame Sanierung für etwa 15 Millionen Euro im Laufe von acht bis zehn Jahren. Für die jetzigen Mieter, vor allem kleine Handwerksbetriebe aus dem Bezirk, sollen die Mieten billig bleiben. Das will auch Dinamix. Sie haben 13 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt. "Möglichst schnell soll das Gelände saniert werden", sagt Szelinski. "Acht bis zehn Jahre wird das nicht dauern."Der Wirtschaftsausschuss hatte dem Konzept der Genossenschaft bereits zugestimmt und Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert (PDS) aufgefordert, sich dafür einzusetzen. Umso verwunderter waren die Verordneten, als ihnen Kleinert am 23. Januar die Entscheidung des Liegenschaftsfonds mitteilte, beide Unternehmen zu favorisieren. Kleinert saß als Vertreter des Bezirks im Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds und war an der Vergabe beteiligt. "Es gab nachvollziehbare Kriterien für diese Entscheidung." Welche, sagt er nicht. Die Verordneten sind sauer. Sie werfen Kleinert vor, sich nicht stark genug für die Genossenschaft eingesetzt zu haben. Von einer "schweren Fehlentscheidung" ist die Rede. "Der Bürgermeister hat gehandelt, ohne die Bezirkspolitiker in seine Entscheidung einzubinden", sagt der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses Klaus Mindrup (SPD) "Wir kannten bisher nur das Konzept der Genossenschaft." Kleinert muss auf einer nichtöffentlichen Sitzung in der kommenden Woche über das Vergabeverfahren des Liegenschaftsfonds berichten. Beide Bieter sind eingeladen und sollen, getrennt voneinander, ihr Konzept vorstellen. Dimamix-Geschäftsführer Szelinski wird zu dieser Zeit im Urlaub sein. Der Liegenschaftsfonds hat Dinamix und der Genossenschaft eine Frist gesetzt. Bis zum 21. Februar sollen beide Bieter ein gemeinsames Nutzungskonzept vorlegen. "Warten wir den 21. Februar ab", sagt Sprecherin Irina Dähne.Brauereigeschichte // Gebraut: In der Königstadt-Brauerei am südlichen Ausläufer des Windmühlenbergs wurde 1871 damit begonnen, Bier zu brauen. Das Bier wurde in einem angrenzenden Lokal ausgeschenkt. In den 20er-Jahren wurde der Betrieb eingestellt.Zugeschaut: 1925 wurde das frühere Ausschankgebäude der Brauerei zu einem Kinosaal mit 1 500 Plätzen umgebaut. Das Kino "Ufa-Palast Königstadt" war eines der ersten Tonfilm-Uraufführungshäuser Berlins.Geparkt: Zu DDR-Zeiten standen in einem Eckgebäude die Autos der Fahrbereitschaft des Magistrats.Verkauft: Im Jahr 2000 übernahm der Liegenschaftsfonds das Gelände, um es zu verkaufen.