Limburg - Noch ist die Botschaft verklausuliert. Aber sie lässt sich leicht entschlüsseln: Der Limburger Klerus erwartet den Rücktritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. „Ich persönlich wüsste, was ich zu tun habe“, sagte der Sprecher des Priesterrats, Reinhold Kalteier, im Hessischen Rundfunk. Aber letztlich sei das die Angelegenheit des Papstes.

Nachdem am Montagabend die Kostenexplosion bei der Sanierung der bischöflichen Residenz bekannt geworden war und das von Tebartz selbst eingesetzte Kontrollgremium beklagt hatte, vom Bischof hinters Licht geführt worden zu sein, haben Ärger und Entsetzen über den Oberhirten im Bistum noch einmal zugenommen. Der Direktor der katholischen Akademie „Haus am Dom“ in Frankfurt, Joachim Valentin, sieht das Bischofsamt schwer beschädigt. Er hoffe und erwarte, dass sich etwa die deutschen Bischöfe der Sache annehmen.

Auch die katholische Basis-Initiative „Wir sind Kirche“ legt Tebartz den Rücktritt nahe. Der Bischof sei augenscheinlich nicht in der Lage, auf den neuen Kurs der Bescheidenheit und des Dialogs von Papst Franziskus einzuschwenken, sagte „Wir sind Kirche“-Vorstand Christian Weisner.

Verteidiger lagen daneben

Mit der schier unglaublichen Summe von 31 Millionen Euro, die Sanierung und Neubau des Begegnungshauses auf dem Limburger Domberg samt extravagant ausgestatteter Dienstwohnung und Privatkapelle hat der Konflikt um das Finanzgebaren des Bischofs und seinen autokratischen Führungsstil eine neue Dimension erreicht. Alle Beteuerungen, die Gerüchte über massiv gestiegene Baukosten seien falsch oder gar verleumderisch, erweisen sich nun als Schutzbehauptungen, wenn nicht als bewusste Lügen.

Selbst den hartnäckigsten Verteidigern des Bischofs wie dem Kölner Kardinal Joachim Meisner muss nun klar sein, dass sie mit ihrer Verschwörungstheorie daneben gelegen haben. Inzwischen mehren sich die Stimmen derer, die den 53-jährigen Bischof „krank“ nennen.

Es bewahrheitet sich jetzt, was hartnäckig recherchierende Journalisten schon lange geschrieben hatten: Die Kosten für die aufwendige Sanierung der bischöflichen Residenz liegen um das Sechsfache höher als die ursprünglich einmal angesetzten fünf Millionen Euro. Auf entsprechende Berichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte das Bistum vor einiger Zeit mit Abo-Kündigungen reagiert.

Ende August eskalierte der innerkirchliche Konflikt. Mehr als 4000 Katholiken unterschrieben einen offenen Brief an den Bischof, beklagten Glaubwürdigkeitsverlust und forderten einen Neuanfang. Tebartz reagierte mit Formelkompromissen und gestand Fehler ein – in der Kommunikation, nicht in der Sache. Parallel reiste er nach Rom, um sich der Rückendeckung des Vatikans zu versichern. Der zuständige Kardinal, Michel Ouellet, bestätigte ihm untadelige Amtsführung. Doch der nach Limburg entsandte Sonderermittler, Kardinal Giovanni Lajolo, dürfte in seinen Gesprächen dort ein differenzierteres Bild gewonnen haben. Vereinbart wurde eine externe Prüfung des Bauprojekts, die in Kürze beginnen soll. Deren Ergebnis, teilte das Bistum am Dienstag mit, wolle Tebartz vor etwaigen weiteren Schritten abwarten.

Zuvor waren mehrere deutsche Bischöfe auf Distanz gegangen und hatten Tebartz – auffällig genug – an die Wahrheitsverpflichtung erinnert die auch für Bischöfe gelte.

Im Hintergrund steht hier die bizarre Auseinandersetzung um einen Luxusflug des Bischofs nach Indien. Tebartz behauptete, er sei Business-Klasse geflogen, weil er nur dafür bezahlt und den Upgrade in die Erste Klasse über Bonusmeilen von seinem Generalvikar geschenkt bekommen habe. Wegen uneidlicher Falschaussage in einem Rechtsstreit mit dem Spiegel hat die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Tebartz ermittelt. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger erfuhr, soll in den nächsten Tagen ein Strafbefehl ergehen.