Lindsay Lohan ist doch doof. Wie sie mich da von ihrem neuesten Filmplakat anzwinkert - rosa Pelz, Sonnenbrille hoch geschoben und dann: zwinker! So möchte ich nicht angezwinkert werden. Und überhaupt möchte ich da nicht reingezogen werden, weder in ihren neuen Film noch in irgendwelche Geheimnisse. Letztes Jahr verdichteten sich ja die Gerüchte, Lindsay hätte Magersucht. Unsinn, sagte sie, das sind die Hormone; ich bin doch erst 19 - zwinker! - und noch in der Pubertät. Und irgendwann sah sie sich dann selbst mit ultradünnen Ärmchen in einer Show und gab zu, dass das so ganz normal nicht sei. Aber - zwinker! - es sei doch ein hartes Geschäft, in dem sie ihre Brötchen verdiene; außerdem haben sich ihre Eltern scheiden lassen und ihr Vater wurde verurteilt, weil seine Faust zuweilen in fremde Gesichter zuckt. Das hat Lindsay "reifen" lassen, sie brachte ein neues Album heraus, das - zwinker! - viel "erwachsener" ist als das erste.Glück der gelingenden Diät, Fluch der Magersucht: Wir sind schon mitten drin in Lohans neuem Film "Zum Glück geküsst". Er zeigt Lindsay als Glücks- und als Pechmarie, also von genau jenen Seiten, von denen sie Fans im letzten Jahr mal begeistert, mal bangend begutachten durften. Zu anderem als zur Lohan-Show taugt der Film nicht. Lindsay spielt eine junge Frau, die im Auftrag ihrer Chefin eine Riesenparty für einen Musikproduzenten veranstaltet. Wie alles, was sie anfasst, wird die Party ein Erfolg - da lässt sie sich im Hochgefühl dazu hinreißen, einen maskierten Mann zu küssen, der zufällig der größte Pechvogel außerhalb des Entenhausener Paralleluniversums ist. Durch den Kuss verliert sie ihr Glück an ihn. Jetzt geht's darum, den Mann zu finden, zu stellen und sich das Glück küssend von ihm zurückzuholen. Wird sie sich in diesen Mann verlieben und ihr oder sein Glück mit ihm teilen?Jawohl, das alles ist erschütternd dumm und eine einzige Feier des Teenie-Quietsch-Humors. Glück ist: im New Yorker Berufsverkehr sofort ein Taxi kriegen; nach jeder Fahrstuhlfahrt sofort vom einzig mitfahrenden Millionenerben zum Abendessen eingeladen werden; mit jedem Los einen Hauptgewinn ziehen. Pech dagegen ist: immer zu nah an der Pfütze stehen; eine Brille tragen; wo immer Strom fließt, eine gewitscht zu bekommen und vor allem: hinfallen, hinfallen, hinfallen. Tatsächlich hat unser Pechvogel (gespielt von Chris Pine) immerhin etwas vor mit seinem Leben: Er will eine Gitarrenband herausbringen. Dieses Ziel gibt seinem Umgang mit dem Schicksal eine Gelassenheit und Souveränität, die der Glücksmarie auf ihrer Schnitzeljagd nach kleinen Glückskuchen völlig abgeht. Wie Lohan so rasch und naiv-schnippisch mit allem fertig wird, das soll nach Audrey Hepburn aussehen, erinnert aber doch eher an Iffi Zenker aus der "Lindenstraße", besonders, wenn sie dann, vom Pech verfolgt, häufiger hinfällt und etwas betrübt, aber doch nicht wirklich verzweifelt ausschaut. Statt derartige Widersprüche zum Thema zu machen, hämmert der Film sein Klamaukblech immer dünner und demontiert sich damit im Grunde selbst. Aber was hat man schon von dieser Beobachtung?Lindsay Lohan spielt so unerschütterlich durchschnittlich, wie es der reibungslosen Befestigung ihres Starruhms nur förderlich sein kann. Der Eindruck, hier verwandele sich ein Star in eine Figur mit Charakter und Widersprüchen, ist im Sinne einer unverwechselbaren Präsentation des Markenartikels unbedingt zu vermeiden. Wie die Cola im Film eine Cola bleiben muss und nicht als Sprite getrunken werden darf, so muss Lindsay Lohan auch Lindsay Lohan bleiben: Product Placement funktioniert auch mit Menschen - Pardon, mit Stars.------------------------------Zum Glück geküsst (Just My Luck) USA 2006. Regie: Donald Petrie, Drehbuch: I. Marlene King, Amy B. Harris, Darsteller: Lindsay Lohan, Chris Pine, Faizon Love, Missi Pyle u.a.; 103 Minuten, Farbe.------------------------------Foto (2): Diese Jugend heutzutage! Wir durften früher nicht so hohe Pumps tragen.Im Wuscheljäckchen auf Schnitzeljagd nach kleinen Glückskuchen: Lindsay Lohan als Ashley Albright.