KYRITZ. Ein schlichter großer Findling wird es sein: Versehen mit einer Aufschrift soll er zum bundesweit ersten Denkmal werden, das an die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR erinnert. Bei dieser Aktion namens "Sozialistischer Frühling" wurden bis Ende Mai 1960 insgesamt 19 345 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gegründet, die dann fast 84 Prozent der Ackerflächen bewirtschafteten.Genau 50 Jahre nach der Regierungserklärung von SED-Chef Walter Ulbricht zum Ende der Kollektivierung am 25. April 1960 soll der Stein in Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) enthüllt werden. Er könnte zum Stein des Anstoßes werden - für eine neue politische Debatte über die DDR-Vergangenheit. Denn die Linke wehrt sich gegen das Projekt, weil, wie sie erklärt, mit Begriffen des Kalten Krieges gearbeitet werde.Die Idee für das Denkmal stammt vom christlich geprägten Bauernbund. "Auf den Stein kommt eine Inschrift, die mit der Stadt abgestimmt ist", sagte Geschäftsführer Reinhard Jung. Die Aufschrift lautet: "Den Opfern der Zwangskollektivierung im so genannten Sozialistischen Frühling in der DDR." Dafür stimmten im Stadtparlament CDU, Bauernfraktion, FDP und Grüne. Die SPD war gespalten, die Linke mehrheitlich dagegen. Nicht mehrheitsfähig war der ursprüngliche Text: "Freie Bauern auf freier Scholle. Nie wieder Vertreibung, Enteignung und Zwangskollektivierung.""Gewalt und Psychoterror""Wir wollen daran erinnern, dass innerhalb kürzester Zeit 400 000 selbstständige Bauern mit brutaler Gewalt und Psychoterror in die LPG gezwungen wurden", sagte Jung. Viele Bauern hätten sich durch Selbstmord der Zwangskollektivierung entzogen oder seien in den Westen geflüchtet.Kyritz wurde auch deshalb ausgewählt, weil dort die DDR Mitte der 80er-Jahre ein Denkmal für die Erfolge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg aufstellte. Nach 1945 wurden in der Sowjetischen Besatzungszone die Besitzer von mehr als 100 Hektar Land und die Kriegsverbrecher enteignet. "Künftig werden beide Denkmäler an die beiden Stufen der Beseitigung privater Bauern im Kommunismus erinnern", sagte Jung.Die Linke-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann, die bei Kyritz wohnt, sprach sich mehrfach gegen das Denkmal aus. "Wir sind nicht dagegen zu erinnern und zu diskutieren", sagte sie. "Aber hier wurde von Anfang an stark mit dem Vokabular des Kalten Krieges gearbeitet." Tackmann stört sich auch in der jetzigen Version am Begriff der Zwangskollektivierung und spricht von "Vergenossenschaftlichung". Bei der LPG-Bildung habe es auch großen Druck gegeben. "Aber viele sagten hinterher auch: Hätte ich es doch früher gemacht."Es sei damals Unrecht geschehen, sagt auch Tackmann. Aber es sei ein Strukturwandel gewesen, bei dem das Eigentum zwar nicht privat, aber in den Genossenschaften erhalten blieb. "Heute enteignet der Markt und der Bauer verliert sein Eigentum ganz."------------------------------Kollektiv per GesetzAb 1952 rief die SED zum "Klassenkampf auf dem Lande", erste LPG wurden gegründet. Doch Ende der 50er-Jahre waren noch immer zwei Drittel der Bauern selbstständig.Im Juni 1959 wurde das LPG-Gesetz verabschiedet. Die Genossenschaften als "sozialistische landwirtschaftliche Großbetriebe" sollten durch den "freiwilligen Zusammenschluss" der Bauern entstehen. Nur ein Jahr später war die Kollektivierung auf dem Lande abgeschlossen.------------------------------"Die Linke wollte das Denkmal verhindern." Reinhard Jung, Bauernbund