In der Parteispitze wurde die Information bestätigt. Die 44-Jährige, so heißt es, wolle sich voll auf die Fraktionsarbeit konzentrieren. Damit steuert die Linke knapp zwei Jahre nach dem Parteitag von Göttingen im Juni 2012, der sie an den Rand der Spaltung führte, auf klare personelle Verhältnisse zu.

Die seit Göttingen amtierenden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger gelten als unumstritten. Mit ihrer Wiederwahl wird gerechnet. Beide waren in Göttingen eher überraschend ins Amt gekommen, da sich damals weder der rechte noch der linke Flügel mit seinen Vorschlägen durchsetzen konnte. Allerdings hatte es mit Wagenknecht mehrfach Reibungen gegeben, vor allem in der Europafrage.

In der Fraktion überlässt der Vorsitzende Gregor Gysi zunehmend seinen Stellvertretern Wagenknecht und Dietmar Bartsch das Feld. Aus dem Umfeld Gysis verlautet, der 66-Jährige könne den Vorsitz im nächsten oder übernächsten Jahr an Wagenknecht und Bartsch abtreten. Diese würden dann eine Doppelspitze bilden.

Gemeinsames Papier

Die zwei Politiker bereiten sich darauf schon vor. Unlängst veröffentlichten sie ein gemeinsames Strategiepapier. Darin steht, die Wahlversprechen der SPD seien „das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden“. Und: „Die Grünen orientieren sich offensichtlich darauf, die FDP politisch zu beerben.“ In jedem Fall dürfe die Linke „keinen Zweifel daran lassen, dass es uns um eine andere Politik und nicht um abstrakte Regierungsoptionen geht. Rot-rot-grüne Debatten als solche sind eher weniger geeignet, unser Profil zu schärfen – die Linke muss ein unverwechselbares Gesicht haben und behalten.“ Es gibt unterschiedliche Lesarten, ob Wagenknecht oder Bartsch hier mehr Zugeständnisse mache. Fest steht, dass ein gemeinsames Papier lange undenkbar war. Dessen Existenz ist die eigentliche Botschaft.

Unter dem Strich sind sich schließlich alle recht einig: Der Schock von Göttingen hat gewirkt. Die Linke ist jetzt relativ befriedet.