MÜNCHEN. Bei der Pariser Luftfahrtschau Le Bourget wird vordergründig nur um Aufträge gerungen. Wichtiger für die Zukunft der Hightech-Branche sind aber dort präsentierte Ideen für eine nachhaltige Luftfahrt mittels grüner Umwelttechnologien. Denn die Kerosinpreise steigen und der Gewinn der Flugindustrie wird 2011 nach jüngster Schätzung des Weltluftfahrtverbands IATA um ein Viertel auf vier Milliarden Dollar sinken. 2012 sollen Fluggesellschaften zudem in den Emissionsrechtehandel der EU einbezogen werden, was teuer zu werden droht. 660 Millionen Tonnen Kohlendioxid stoßen Zivilflugzeuge pro Jahr weltweit aus. Schon die Ökonomie zwingt also zu mehr Ökologie am Himmel.Sprit aus Algen oder NüssenDafür sollen nach und nach Kerosin ersetzende Biokraftstoffe, spritsparende Lackierungen und Turbinen oder effizientes Luftfahrtmanagement sorgen. Binnen fünf Jahren seien Sprit- und damit Schadstoffeinsparungen von gut einem Viertel wahrscheinlich, sagte Janis Eitner. Er ist Luftfahrt-Experte beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Erfunden und erprobt seien entsprechende Technologien bereits. Was die Umsetzung verzögere, seien sieben bis zwölf Jahre dauernde Zulassungsverfahren. In der Luftfahrt gelten die strengsten Sicherheitsanforderungen.Eine Erfindung ist laut Eitner die "Haifischhaut". Das sei eine schuppenförmige Lackierung der Flugzeughülle, die der schlüpfrigen Haut des Meeresbewohners nachempfunden ist und bereits mehrere Airbus-Testflugzeuge bedeckt. Zehn Prozent weniger Kerosinverbrauch seien realistisch.Eine ähnliche Einsparquote hat Airbus errechnet, falls die derzeit 36 in Europa existierenden Flugkontrollsysteme unter ein Dach gebracht würden. Denn die derzeitige Zersplitterung sorgt dafür, dass Flugzeuge oft Umwege fliegen oder lange über Flughäfen kreisen.Die Airbus-Mutter EADS ist auch Gründungsmitglied beim soeben aus der Taufe gehobenen Verband Aireg. 20 heimische Vertreter der Branche und Forschungseinrichtungen haben sich darin dem globalen Ziel der Branche verschrieben, ab 2020 ein CO2-neutrales Wachstum der eigenen Industrie zu schaffen und die Emissionen des Treibhausgases 2050 im Vergleich zu 2005 zu halbieren.Aireg setzt vor allem auf Biokraftstoffe, die nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln und deren Produktion stehen. Als größte Hoffnungsträger gelten Mikroalgen und die Jatropha-Nuss. Letztere wächst in Trockenzonen zum Beispiel in Australien, wo sonst nichts mehr gedeiht, erläuterte Airbus-Experte Justin Dubon. Erste Testflüge mit einem 50-prozentigen Anteil Jatropha-Sprit seien erfolgreich verlaufen und der Biotreibstoff sei gerade zugelassen worden. Den bislang größten, auf sechs Monate angelegten Test mit Biosprit plant die Lufthansa bei Linienflügen zwischen Frankfurt am Main und Hamburg. Ein Problem ist es, die nötigen Biospritmengen zu beschaffen, erst recht, wenn damit im großen Stil geflogen werden soll. Flugzeuge verbrennen derzeit weltweit an einem Tag die riesige Menge von 4,2 Millionen Barrel Flugbenzin.------------------------------Foto: Reduziert den Widerstand im Wasser und in der Luft: die Haut des Hais.