Im Mai ist die Kölner Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer gestorben. Noch vor der Sommerpause und vor allem vor der Kommunalwahl im September sollte das Amt für die nächsten acht Jahre wieder besetzt sein. In der letzten Woche gab man den Favoriten der schwarz-grünen Ratsherren-Mehrheit bekannt: Christoph Nix. Am 20. Juli wären dann nur noch die Stimmen zu zählen gewesen. Nix, der seinen Werdegang vermutlich schneller referiert, indem er die Berufe aufzählt, die er in seinem Leben noch nicht ausgeübt hat (siehe Tagebuch vom Freitag), sagte schon mal zu. Denn gerade läuft seine letzte Saison als Intendant am Kasseler Staatstheater aus, und Hessen weigert sich mit beredter Bockigkeit, den Vertrag zu verlängern. Mit der Zusage war eine Absage verbunden: In Neubrandenburg, wo man Nix im September als Rektor der Fachhochschule begrüßen zu dürfen glaubte, bekam man von ihm zu hören, dass man so ein Angebot nicht ausschlagen könne. Er meinte das aus Köln.In einem zweistündigen Vortrag hatte Nix, unter anderem ausgebildeter Clown und Jongleur, die Kölner Ratsherren von seiner Eignung überzeugt. Die besteht übrigens für einen Kölner Kulturdezernenten auch darin, es auszuhalten, gedemütigt zu werden, wie es Hüllenkremer widerfuhr, als der Oberbürgermeister vor einem Jahr die von ihr als Opernintendantin vorgeschlagene Barbara Mundel kurz vor Vertragsunterzeichnung aus der Stadt jagte. Solche Bevormundung wird sich Nix nicht gefallen lassen müssen, weil er jetzt selber - noch vor der Landung in Köln - schon wieder rausgeflogen ist. Zu Nix' Pech bekam im Kölner Rathaus der Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) davon Wind, wer sein künftiger Kulturkollege sein soll. Streitberger hat einmal in Kassel zu tun gehabt und lief nun schnell durch die Büros, um von seinen Erfahrungen mit Nix zu berichten. Die Mehrheit bröckelte, die Opposition witterte ihre Chance und forderte eine geheime Abstimmung über Nix. Solche Methode schwächt nämlich die Parteidisziplin, denn, wenn es sowieso keiner erfährt, kann man als Christdemokrat ja auch nach eigenem Wissen und Gewissen abstimmen. Und Erstes wurde gerade um die allseits herumgereichte Information bereichert, dass dieser Nix, von dem da die Rede ist, Jesus Christus als Schwulen aufs Theater gebracht hat. Eine mithin provinzbühnenübliche Teufelei, aber wir sind in Köln. In der Zirkusschule, die Nix besuchte, kam offenbar in keiner Lektion vor, dass man, wenn man schon vom Trapez stürzt, vorher lieber nicht das Netz zerschnitten hat. In Neubrandenburg seufzte man nun genüsslich: "Vorbehaltlich einer juristischen Prüfung gehen wir davon aus, dass Nix nicht Rektor wird." Aber Nix ist ja auch Anwalt.