Für manche Menschen sind alle Blumen grau. Die völlige Farbfehlsichtigkeit, umgangssprachlich auch Farbenblindheit genannt, kommt allerdings nur selten vor. Die Selbsthilfegruppe Achromatopsie schätzt, dass ungefähr 3 000 Bundesbürger Buntes überhaupt nicht wahrnehmen können. Häufiger können aber bestimmte Farben nicht erkannt werden, erläutert Dr. Georg Eckardt vom Berufsverband Deutscher Augenärzte. Aufgrund eines Gendefekts fehlen auf der Netzhaut des Auges bestimmte Fotorezeptoren (Zapfen), die für das Farbsehen notwendig sind. So können die Farben Grün (65 Prozent der Fälle), Rot (25 Prozent) oder selten auch Blau nicht oder nur eingeschränkt von der Netzhaut identifiziert werden.Die angeborenen Farbsehstörungen treffen Männer häufiger als Frauen: Acht Prozent der Männer können besonders Rot und Grün schlecht einordnen, aber nur 0,4 Prozent der Frauen, so das Kuratorium Gutes Sehen. Grund: Das zuständige Gen liegt auf dem X-Chromosom. Ist es bei einer Frau angeschlagen, kann es durch das gesunde Gen des zweiten X-Chromosoms ausgeglichen werden. Männer besitzen dagegen nur ein X-Chromosom, ein Ausgleich ist daher nicht möglich. Im Alltag kann eine Farbfehlsichtigkeit die Lebensqualität empfindlich einschränken. Leuchtdioden auf technischen Geräten werden nicht zweifelsfrei erkannt, ebenso wenig wie Ampeln im Straßenverkehr. Manche Berufe wie Pilot oder Taxifahrer sind daher für die Betroffenen tabu.Für Menschen mit völliger Farbsehstörung gibt es einen Trost: Sie verfügen über zusätzlichen mentalen Speicherplatz, glaubt Professor Barbara Käsmann-Kellner von der Universitätsklinik Homburg. Die Kinderaugenärztin hat in einer Studie herausgefunden, dass die Betroffenen Gehirnareale, die normalerweise zum Farbsehen benötigt werden, anderweitig nutzen. "Unsere Versuchsteilnehmer konnten besser als andere Menschen Kontraste und Formen wahrnehmen." (diß.)------------------------------Foto: Mit dem Ishihara-Test lässt sich eine Rot-Grün-Sehschwäche nachweisen.