En vouge war das Heft eigentlich nie. Seit seiner Gründung im Jahre 1984 verkaufte die "Männer Vogue" aus dem US-Verlag Condé Nast selten mehr als 70 000 Exemplare ­ daß es zuletzt nur noch knapp 50 000 waren, liegt an einer Reihe neuer Hefte wie "Men·s Health" oder "Fit For Fun", die sich nicht an den Gentleman, sondern den Sportsfreund im Manne richten. Und der steckt sein Monatsgehalt nun mal lieber in einen neuen Jogginganzug als in Schuhe von Gucci.Nun soll eine Umbenennung neue Käufer bringen, denen "Männer Vogue" bislang zu sehr nach Flanell und Pfeifentabak klang. "GQ" (Für "Gentlemen·s Quarterly") kommt als flottes Kürzel daher, modern und international ­ zumal englisch ausgesprochen: Dschiie Kju. It·s cool man. Auch sonst läßt sich dem schleichenden Bedeutungsverlust der traditionellen Männermagazine wie "Playboy", "New Magazin" oder eben "Männer Vogue" am besten mit Anglizismen beikommen. "Männer Vogue war als Männermode-Spezialzeitschrift positioniert. Dies führte in Deutschland zu einer begrenzten Leserschaft, weil sich nur wenige Männer zu ihrem Interesse committen", sagt Chefredakteur Reinhard Haas und kündigt zum heutigen Heftstart an: "GQ ist das Magazin der 90er Jahre." Schade für die Redaktion, daß die fast vorbei sind.Obwohl, eine Redaktion gibt es laut Editorial gar nicht, nur eine "kreative GQ-Elite". Mit einem "GQ-Fashion-Director" und einem "GQ-Art-Consultant". Bezeichnungen, so geheimnisvoll wie die Entscheidung, ausgerechnet Boris Becker zum Neustart auf den Titel zu packen, wo der nackerte Tennisspieler doch in puncto Medienpräsenz Lady Diana hart auf den Fersen ist. Die erste Ausgabe von "GQ" ist ein eigentümlicher Zwitter aus alter "Männer Vogue" und dem verzweifelten Versuch, auf dem Trimm-Dich-Pfad der Wellness-Magazine mitzuhalten: So erfährt der geneigte Leser im Fitneß-Test, daß er recht sportlich ist, wenn er mehr als 45 Liegestütze hintereinander schafft. Und in der Erotik-Rubrik, daß ein "unbeschnittener Penis eher unköstlich ist, weil sein Träger unmittelbar vor dem Schäferstündchen nicht immer frisch geduscht ist." Da ist man schon froh, wenn die männlichen Fotomodelle auf den nachfolgenden Seiten wenigsten die Unterhosen anlassen.Die Rubriken, in denen die Ästhetik nicht völlig abgeschafft wurde, finden sich im hinteren Heftteil. Wie die fotografisch ansprechenden Modestrecken, einst Markenzeichen der "Männer Vogue". Vorn steht nun ein Interview, in dem ein semiprominenter Musiker seitenlang erzählen darf, wie gern er mit 200 Stundenkilometern durch Frankreich rast. Kritische oder auch interessante Fragen sind Fehlanzeige.Auch die restlichen, in wirres Layout verschweißten Informationen sind nicht so, daß man dafür extra an den Kiosk müßte ­ auch wenn der Heftpreis von sieben auf fünf Mark gesenkt wurde. "Der deutsche Mann ist nicht so konservativ wie der Amerikaner, aber auch nicht so chaotisch wie der Brite. Er weiß viel und will nicht nur ein Magazin zum Blättern, sondern Hintergrund", sagt Chefredakteur Haas. Genau deshalb darf der deutsche Mann "GQ" getrost meiden.

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