Mageres 0:0 in Wattenscheid verhinderte hauchdünn Abstiegsblamage: Hertha braucht zehn Neue

Ende gut, aber nicht alles gut. So lautet das Fazit für Hertha BSC nach dem 0:0 bei Absteiger Wattenscheid 09. Dadurch entgingen die Berliner bei Punktgleichheit mit dem Chemnitzer FC nur auf Grund des besseren Torverhältnisses dem Abstieg in die Regionalliga.Was die Herthaner vor 1 002 zahlenden Zuschauern im Lohrheidestadion boten, besaß wenig Zweitliga-Format. Hertha-Manager Carl-Heinz Rühl meinte schon in der Pause völlig geschafft. "Ich kann Klartext reden, weil es die Mannschaft jetzt nicht hört. Es ist deprimierend, was hier passiert. Es geht doch nicht nur um die Zukunft des Vereins, sondern um eine ganze Region. Da kann man doch nicht so lasch in den Zweikämpfen auftreten und bei den glasklaren Torchancen so sündigen."Wenn Rühl dies nach der ersten Halbzeit sagte, die noch die bessere war, kann sich jeder vorstellen, was sich in den zweiten 45 Minuten abspielte. Nerven flatterten Natürlich standen die Berliner unter enormem Druck. Präsident Manfred Zemaitat gab ehrlich zu, daß er die ganze Woche schlecht schlief. "Nach einer halben Stunde bin ich immer wieder aufgewacht, weil mir das Abstiegsderby im Kopf herumging." Den Spielern wird es ähnlich gegangen sein. Zumindest ließen dies die 90 Minuten gegen einen völlig unmotivierten Gegner vermuten.In der Anfangsphase gelangen den Herthanern noch einige erfolgversprechende Aktionen. Die größte Möglichkeit vergab Marc Arnold in der 15. Minute. Aus abseitsverdächtiger Position bediente ihn Altin Rraklli. Der Ex-Dortmunder hatte frei vor dem Tor Zeit, sich die Ecke auszusuchen. Doch er traf nur den Innenpfosten.Pech hatte dagegen Andreas Schmidt. Er spritzte in eine Eingabe von Thomas Richter. Der Ball klatschte jedoch nur gegen die Querlatte (19.). Zwei Minuten später ging Rraklli rechts zur Grundlinie durch, paßte genau nach innen auf Dirk Bremser, der jedoch den Ball aus sieben Metern neben das Tor stolperte. Dabei sollte gerade der Einsatz des Routiniers die Berliner positiv motivieren, denn in der vergangenen Saison hatte er mit einem Tor in der 90. Minute für den 1:0-Sieg in Wattenscheid gesorgt. Kein Grund zum Feiern Diesmal gelang dies nicht, weil Hertha nach dem ausbleibenden Tor lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach haben wollte. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr versuchten die Röber-Schützlinge den Ball in den eigenen Reihen zu halten. So dribbelten sie in den Schlußminuten dreimal lieber zur Eckefahne als Richtung Tor.Es war ein Spiel mit dem Feuer. Der Gastgeber, bei dem Trainer Peter Vollmann und fast alle Spieler den Absteiger verlassen oder gehen müssen, bot nur Sommerfußball. Das verärgerte die eigenen Fans kaum, weil sie erst gar nicht erschienen waren. Ging in der 33. Minute ein abgefälschter Schuß der Wattenscheider zum Glück am Tor vorbei, den der in die andere Ecke gestartete Hertha-Torwart Christian Fiedler nie und nimmer erreicht hätte, zögerte Stürmer Michael Preetz in der 88. Minute zu lange mit dem Schuß, so daß er noch abgedrängt wurde. Er stand frei am rechten Torraumeck!So zitterte sich Hertha zum Klassenerhalt. "Ein Grund zum Feiern ist das nicht", meinte Libero Steffen Karl. "Wenn man bis zur letzten Sekunden bangen muß, ist man nur froh, daß endlich alles vorbei ist. Jetzt muß man in Ruhe die Saison analysieren und nach vorn blicken."Während Karl eine der Führungspersönlichkeiten in der neuen Elf von Jürgen Röber sein soll, will der beste Hertha-Torschütze der Saison, Niko Kovac, das Team verlassen. "Ich bin mit Leverkusen einig. Fünf Jahre bin ich nun bei Hertha immer wieder mit Erwartungen in die Saison gestartet. Doch es wurde von Jahr zu Jahr schlechter. Jetzt habe ich genug, will etwas Neues wagen."Präsident Manfred Zemaitat äußerte sich wie Manager und Trainer nicht zu Spielerwechseln bei den Berlinern. "Kovac hat einen laufenden Vertrag. Leverkusen muß mit uns verhandeln, noch ist nichts entschieden, zumal wir eine Ablöseforderung in Millionenhöhe erheben werden. Wer kommt und geht, melden wir erst, wenn die Unterschriften geleistet werden." Axel Kruse kommt Sicher ist aber, daß in den nächsten Tagen drei, vier Neuverpflichtungen bekannt gegeben werden. Klar soll schon alles bei Axel Kruse und Gunnar Sauer sein. Mit den Spielern ist sich Hertha einig, auch hier fehlt das Okay der Vereine VfB Stuttgart und Werder Bremen.Wenn man allerdings Realist ist, muß man nach den zuletzt gezeigten Leistungen des Hertha-Teams sagen, daß die Berliner zehn Neue brauchen, wenn der Aufstieg in die erste Bundesliga im der nächsten Saison gelingen soll. +++