Maggie Peren, 1974 in Heidelberg geboren, ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Filmlandschaft: Sie ist Schauspielerin, und ihre Drehbücher wurden mehrfach ausgezeichnet, so etwa "Vergiss Amerika" oder das Buch zu "Napola", das sie zusammen mit dem Regisseur Dennis Gansel geschrieben hat. Mit der Komödie "Stellungswechsel" legt Peren nun ihr Regiedebüt vor: Hier gründen fünf arbeitslose und auch in Liebesdingen nicht verwöhnte Männer einen Escort-Service für Frauen unter dem Motto: "Deutsche Feinkost zum Anfassen". Die Bemühungen der sehr unterschiedlichen Charaktere, das Geschäft zum Laufen zu bringen, sind zunächst hilflos. Aber nach einer Weile scheint ihr Vorhaben aufzugehen.Frau Peren, warum haben Sie bei "Stellungswechsel" die männliche Perspektive gewählt?Die Idee kam von meinem Koautor Christian Bayer. Als wir mit dem Film anfingen, war die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Ich fand es gut, fünf Männer zu zeigen, die am Tiefpunkt ihres Lebens angelangt sind. Wir haben sehr viele Drehbuchfassungen geschrieben. Man ist dann aber irgendwann müde, will nicht mehr - da muss man durchs Nadelöhr. Das hat wohl jeder Filmemacher.War es schwierig, sich in die Männerperspektive hineinzuversetzen?Ich finde es immer schwierig, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Die Schauspieler haben viel mitgebracht, ich hab sie einfach machen lassen. Ich fand es witzig, Männer zu zeigen, die es Frauen recht machen müssen. Wir haben versucht, vielschichtig zu werden und nicht zu sagen: Alle Frauen sind so, und alle Männer sind so. Es ging um den Stellungswechsel: Wie funktioniert es zwischen Männern und Frauen heute, wenn alles möglich ist?Was war für Sie der Anstoß, mit dem Schreiben anzufangen?Ich bin keine Tagebuchschreiberin, keine Oscar-Wilde-Figur. Aber ich habe schon immer viel geschrieben, nur für mich, Kurzgeschichten und so. Als ich dann vor Jahren die Regisseurin Vanessa Jopp in München wiedertraf, suchte sie dringend nach Stoffen. Daraus ist "Vergiss Amerika" entstanden. Ich bin stilistisch nicht sehr gut, deshalb ist es ein Glück, dass ich beim Drehbuch gelandet bin. Ich wäre keine Romanautorin geworden.Sie sind auch Schauspielerin. Beeinflusst das Ihre Art, Regie zu führen?Man weiß wohl mehr um die Ängste der Schauspieler, wenn man schon vor der Kamera stand. Man weiß, wenn man als Regisseur schwimmt, schwimmt der Schauspieler automatisch. Viele Regisseure denken: Wenn ich jetzt einen besseren Schauspieler hätte, dann würde das super funktionieren! Aber das stimmt nicht. Übrigens will ich nicht mehr spielen - das ist vorbei.Haben Sie sich bewusst entschieden, mit der Schauspielerei aufzuhören?Ich habe wahnsinnig gern gespielt. Aber mit Ende 20 dachte ich, dass ich als Schauspielerin nie in der ersten Liga spielen werde. Irgendwann war auch das Bedürfnis weg. Beim Schreiben habe ich hingegen von Jahr zu Jahr das Gefühl, dass ich mich verbessere, entwickle.Was braucht eine gute Komödie?Für mich ist eine Komödie gut, wenn ich den Figuren glaube und wenn ich sie mag. Ich gucke mir lieber Komödien an, wo mir die Figuren vertraut vorkommen als Komödien, in denen sie abgehoben sind, in Luxushäusern wohnen. Es ist schön, wenn man mit den Figuren lacht und nicht über die Figuren. Und dann muss eine Komödie natürlich vor allem lustig sein.Interview: Julia TeichmannStellungswechsel Dtl. 2007. Regie: Maggie Peren, Drehbuch: Maggie Peren, Christian Bayer, Kamera: Christian Rein, Darsteller: Florian Lukas, Sebastian Bezzel, Gustav-Peter Wöhler, Herbert, Knaup, Kostja Ullmann u. a.; 90 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Autorin, Regisseurin, Schauspielerin: Maggie Peren.