OBERSTAUFEN. Er motzt, er schreit, er schubst, er hechtet, er korrigiert lautstark seine Vorderleute. Wer Maikel Aerts, 34, die neue Nummer eins im Tor von Hertha BSC, bei einem Übungsspielchen beobachtet, weiß sofort, warum der 1,96 Meter große Holländer verpflichtet worden ist: wegen seiner Mentalität, seiner Energie, seiner Präsenz im Strafraum und natürlich wegen seiner spezifischen Torhüterqualitäten. Die hat er in beinahe 200 Erstligaspielen in der niederländischen Eredivisie nachgewiesen - zuletzt vier Jahre bei Willem II Tilburg: Dort war er auch der Kapitän.Showkampf gegen den Cousin90 Minuten nach dem Trainingsspiel, in dem sich Aerts körperlich und verbal verausgabt hat, gibt er Auskunft über seine Befindlichkeit. Er ist weder laut noch aggressiv, der private Aerts ist freundlich, ein Kumpeltyp. Er sucht nach deutschen Worten. Eine Woche vor dem Trainingsstart bei Hertha begab sich Aerts aus eigenem Antrieb in die Sprachschule Regina Coeli in Vaught, einem früheren Kloster, in dem auch Louis van Gaal vor seinem Engagement in München seine Deutschkenntnisse verbesserte. "Das ging fünf Tage von früh 8.30 Uhr bis abends 21 Uhr", sagt Aerts. Der Intensivkurs war wichtig für ihn: "Als Keeper musst du deine Vorderleute sofort verstehen."Als Aerts vor Wochen bei Hertha einen Zweijahresvertrag unterschrieb, galt das als Überraschung. Nachdem in Jaroslav Drobny (jetzt Hamburger SV), Christopher Gäng (jetzt Mainz 05) und Timo Ochs (Ziel unbekannt) drei Keeper nach dem Abstieg aus der Ersten Liga den Klub verlassen hatten, geisterten Namen bekannter deutscher Torhüter als Nachfolger durch Berlin - etwa der von Michael Rensing. Torwarttrainer Christian Fiedler war da schon seit Monaten einem Tipp seiner Scouts und einem Hinweis von Maikel Stevens, dem Sohn von Huub Stevens, nachgegangen.Fiedler beobachtete inkognito Maikel Aerts bei Spielen und im Training in Tilburg und war angetan. "Ich habe mich mehrmals während des Trainings unter die Zaungäste gemischt", sagt Fiedler, 35, "dabei bekommt man einen viel besseren Eindruck, weil die Keeper eine Stunde unter Dauerbeschuss stehen." Fiedler überließ nichts dem Zufall. Aerts sagt: "Hertha hat mich zuerst heimlich beobachtet, dann viele DVDs gesichtet und sich bei Huub Stevens und Dick van Burik nach mir erkundigt." Die anschließenden Gespräche mit Manager Michael Preetz und Trainer Markus Babbel seien "toll gewesen", sagt Maikel Aerts, "wir hatten alle ein gutes Gefühl füreinander."Dass Aerts als junger Bursche 1997 bei einer Dopingkontrolle des Kokain-Konsums überführt worden war und drei Monate gesperrt wurde, spielte keine Rolle mehr. "Diese Geschichte hat aus mir ganz schnell einen Mann gemacht", sagt Aerts, "das war ein großer Fehler. Ich habe gelernt, dass man sich auf anderem Weg Bestätigung holen muss." Vielleicht als Teamspieler? Wichtig ist Aerts jedenfalls, dass schnell ein Gemeinschaftsgefühl aufkommt, "denn die Zweite Liga wird bestimmt hart". Aerts rechnet so: "Wir müssen elf Spieler auf dem Platz sein, die alle die gleiche Denkweise haben. Dann haben wir einen Mann mehr auf dem Rasen."Seinen Ruf als ein bisschen verrückt pflegt Aerts natürlich auch gern. Im Herbst vorigen Jahres trat er in der Fußballsendung Eredivisie live in einem Showkampf gegen seinen Cousin Peter Aerts an, der dreimal den K-1-Grand-Prix gewann, einer Mischung aus Karate, Kickboxen und Kung Fu. "Mein Cousin ist ein Biest", sagt Aerts, "sein Spitzname ist der Holzfäller." Es wird nicht lange dauern, dann wird auch der Torhüter Maikel Aerts einen Spitznamen bekommen, der die Gegner beeindrucken soll.------------------------------Foto: Kann über den Rasen schwimmen: Herthas Torwart Maikel Aerts.