Als das neue Jahrtausend anbrach, war die Greenwich Bar auf der Gipsstraße einer der angesagtesten Orte im Berliner Nachtleben: Eine superelegante Lounge mit eigenem Türsteher. Touristen raunten sich verschwörerisch den Namen der Bar zu und nicht selten barmten auch Einheimische vor der Tür um Einlass. Das ist nun fast zehn Jahre her und die Greenwich Bar ist mittlerweile nicht angesagter als eine Kaffeepause bei McDonald's. An einem langweiligen Montagabend schlendern wir nach einem Essen im Alten Europa an der Bar vorbei, die Begleitung bleibt stehen und sagt: "Hey, hier war ich schon Jahre nicht mehr. Komm, wir trinken hier was". Innen dann immer noch der schlichte 2001-Odyssee-im-Weltraum-Stil mit weichen Polstermöbeln und klaren Linien. Gesäumt von einem Aquarium, das den Raum sanft beleuchtet. Oben darf der Gast rauchen, unten nicht. Also sitzen wir oben, ich rutsche ungeschickt auf den glatten Polstern in die Fast-Waagrechte, meinen Cocktail balancierend, skeptisch eine Gruppe am Nebentisch beäugend. "Zehlendorf lässt's krachen", feixt meine Begleitung doof, meinem Blick auf die Nachbarn folgend, die allerdings wirklich aussehen, wie ein Abordnung aus dem Münchener P1: Männer in lachsfarbenen Ralph-Lauren-Hemden, Stoffhosen und frisurentechnisch eindeutig am neuen Wirtschaftsminister orientiert.Betont zeitlosDie Greenwich Bar hat etwas betont Zeitloses, ein Umstand, den die Betreiber sicherlich nicht beabsichtig haben, aber der perlende Ambientsound tut sein übriges, um einen komplett vergessen zu lassen, dass Berlin in den letzten zehn Jahren auch zu einer mitunter recht nervigen Stadt geworden ist. "Also ich fühle mich wohl", erwidere ich, leicht genervt von der Unfähigkeit meiner Begleitung, sich zu entspannen. "Kein Wunder, das ist ja auch ein dritter Cocktail in knapp 90 Minuten". Daran kann es natürlich auch liegen.Wer war da: Menschen aus Zehlendorf und MitteWas lief: Ambient mit WalgesängenWie teuer war es: Wein ca. 4 EuroGreenwich: Gipsstraße 5, Mitte