Die Berliner Landesentwicklungsgesellschaft (BLEG) wird aufgelöst. Der Senat zieht damit die Konsequenzen aus der finanziellen Notlage der Gesellschaft, die zu 51 Prozent dem Land Berlin und zu 49 Prozent der Landesbank Berlin (LBB) gehört. Nach Informationen aus Senatskreisen soll die BLEG einen aktuellen Finanzbedarf von 60 Millionen Mark haben, das finanzielle Risiko belaufe sich aber auf bis zu 200 Millionen Mark. Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) wollte diese Zahlen weder bestätigen noch dementieren. Das Stammkapital der Gesellschaft belaufe sich auf zehn Millionen Mark, der Abschluss für 2000 liege noch nicht vor. "Es gibt aber deutliche Risiken für den Landeshaushalt", sagte Krajewski.Nach Ansicht des Senats hat die Gesellschaft, die 1993 gegründet wurde, ihre wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht. Die BLEG übernahm in den vergangenen Jahren Grundstücke des Landes Berlin, entwickelte diese und sollte sie dann Gewinn bringend verkaufen. Außerdem wollte der Senat mit Hilfe der Gesellschaft neue Investoren in Berlin ansiedeln. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kritik an dieser Konstruktion gegeben, da auch die Gesellschaft "Wirtschaftsförderung Berlin" diese Aufgabe übernommen hatte. Nach Ansicht der Finanzsenatorin ist die schwierige Situation auf dem Immobilienmarkt ein Grund für die jetzt bekannt gewordene Finanznotlage. Außerdem seien für die desolate Situation der BLEG "problematische Areale" verantwortlich, die nur schwer verwertbar gewesen seien. Welche Projekte sie meinte, wollte Christiane Krajewski nicht sagen. Sie warf der BLEG-Geschäftsführung aber auch "Managementfehler" vor. Es habe "Unzulänglichkeiten bei der Führung des Unternehmens" gegeben, sagte Krajewski. Verantwortlich dafür sei aber nicht die derzeitige Geschäftsführerin Ulla Luther, die Anfang des Jahres die Leitung übernahm. Als Beispiel für das Missmanagement nannte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) die hohe Zahl der Dienstwagen: Anfang des Jahres gab es für die 50 Beschäftigten insgesamt 17 Dienstwagen. Ulla Luther kündigte die Leasing-Verträge inzwischen, übrig bleiben sollten drei Dienstwagen. Außerdem wurde die Zahl der Mitarbeiter auf 35 reduziert.Die Risiken habe auch der Aufsichtsratsvorsitzende der BLEG, Senatsbaudirektor Hans Stimmann (SPD), nicht erkennen können, da ihm die Geschäftsleitung nicht alle Zahlen vorgelegt und nicht über die Risiken berichtet habe, sagte Strieder. Die CDU warf Strieder dagegen vor, die Probleme verschleiert zu haben. Am 12. Juli hatte der SPD-Senator im Abgeordnetenhaus erklärt, die BLEG "arbeitet gut und immer effizienter". Die Auflösung der BLEG sei "eine Ohrfeige für Senator Strieder", sagte der CDU-Abgeordnete Alexander Kaczmarek am Dienstag. Die PDS begrüßte die Senatsentscheidung. "Damit wird ein sauberer Schlussstrich unter eine überflüssig gewordene Institution gezogen", sagte PDS-Fraktionschef Harald Wolf.Was aus den Mitarbeitern wird, ist offen. Drei bis vier Beschäftigte könnten in den neuen Liegenschaftsfonds übernommen werden, der jetzt für die Entwicklung der Grundstücke zuständig sei, sagte Finanzsenatorin Krajewski.Wenig Erfolg // Die Berliner Landesentwicklungsgesellschaft (BLEG) wurde 1993 gegründet. Ihre Aufgabe war es, Grundstücke des Landes Berlin zu übernehmen, zu entwickeln und zu vermarkten. Außerdem sollte die BLEG neue Investoren und Gewerbe in Berlin ansiedeln.Wenig Erfolg hatte die BLEG in den letzten Jahren, zumal die Situation auf dem Immobilienmarkt immer schwieriger wurde. Jetzt fehlen rund 60 Millionen Mark in der Kasse der Gesellschaft.