Die Manic Street Preachers waren stets auf der Suche nach Wahrheit. Das Trio um James Dean Bradfield, Sean Moore und Nicky Wire versuchte es mit politischen, später mit nihilistischen Einsichten. In diesem Jahr kamen sie zu dem Schluß, daß die persönliche Wahrheit oberste Priorität genießt. "This is my Truth, tell me yours" das ist meine Wahrheit, erzählt mir eure, fordert die Band vom Publikum. Doch niemand war am Sonnabend gekommen, um von sich zu erzählen. Man wollte Geschichten und melodiöse Dramatik hören.Die Zeichen standen gut. Der Saal war ausverkauft. Als die Manics kraftvoll mit "Australia" beginnen, entsteht ein Gerangel, wie es sonst eher bei Punk- als Pop-Konzerten üblich ist. Damit aber hatte die Emotionskurve bereits ihren Höhepunkt erreicht. Im Getümmel schwindet die Magie. Die Welle schwappt nicht auf die Bühne über. Die einzigen Bewegungen, zu denen sich Bradfield und Wire hinreißen lassen, sind kurze Hüpfer, wie sie sonst Schülerbands zeigen. Doch die Manic Street Preachers haben jetzt das fünfte Album vorgelegt. Über die Jahre haben sie ihre anarchische Unschuld und ihren Songschreiber verloren, gewannen aber an Reife und epischer Breite. In der tunnelförmigen Halle des Glashauses aber sind die Sounds dazu verdammt, sich in der Länge zu verlieren. Die Atmosphäre, die auf den Alben erzeugt wird, bleibt unerreichbar. Die Texte verstehen wenige. Der Funke springt mäßig über.Sehr beunruhigend hingegen springt Bradfields Stimme hin und her. Es passiert, daß er seine Töne nicht trifft, mehr Luft als Gesang ausspuckt. Die Woge der Sympathie kehrt sich in Mitleid um. Hier spielt eine britische Nummer-eins-Band! Und das einzige, womit sie triumphieren, ist die Verweigerung einer Zugabe. Mit diesem Eingeständnis des eigenen Scheiterns präsentieren die Manic Street Preachers wieder eine neue Wahrheit.