Vor rund vier Millionen Menschen und damit der vermutlich größten Menschenansammlung in seinem 16jährigen Pontifikat hat Papst Johannes Paul II. gestern in Manila die Messe zum zehnten Weltjugendtag zelebriert.Ein sichtlich überwältigter Papst Johannes Paul II. feierte gestern die größte Messe aller Zeiten. Ein unübersehbares Menschenmeer von Millionen Gläubigen hörten in einem Park der philippinischen Hauptstadt Manila die Botschaft des Heiligen Vaters an den 10. Weltjugendtag der katholischen Kirche. "Noch nie habe ich so eine Menschenmenge gesehen", staunte ein langjähriger Begleiter des Heiligen Vaters auf Auslandstouren. Hunderttausende Mädchen und Jungen aus allen Teilen der Erde, darunter 400 junge Deutsche, hatten bereits die ganze Nacht über im Freien kampiert, um die Predigt des katholischen Oberhirten nicht zu versäumen. Gutgelaunter Oberhirte Beinahe aber hätte der 74jährige Papst nicht kommen können. Den Sicherheitskräften gelang es trotz teilweise roh angewandter Gewalt nicht, einen Korridor durch die Massen für das gläserne Papst-Mobil zu bahnen. Als er nach einer Stunde vergeblichen Wartens erkannte, wie aussichtslos dieser Weg ist, entschloß sich der Heilige Vater, mit dem Hubschrauber einzuschweben. Jede Stufe verursachte ihm nach der Hüftoperation im vergangenen April Schmerzen, seine linke Hand zitterte beinahe ständig. Doch hat er gelernt, mit der Schwäche zu leben, gar mit seiner Hinfälligkeit zu kokettieren. Locker schüttelte er den Stock mit dem silbernen Knauf, klopfte damit den Takt, drohte Journalisten scherzhaft Schläge an. Bei einer Zeremonie zur Vergabe von Medienpreisen in Manila ließ er sich dazu hinreißen, über Mikrofon ein Liedchen zu trällern, mit fast kindlicher Begeisterung schwenkte er Fähnchen und Kopfbedeckungen. Hundertausende im Rizal-Park riefen ihn bei seinem polnischen Kosenamen "Lolek". Das ist ihm nicht ganz recht: "Das war der Papst als Kind. Johannes Paul II. ist vielleicht zu ernst. Also nennt mich Karol." Angesichts der Menschenmassen schien der Papst zu alter Frische und Bestform aufzulaufen. Was er der Welt von Manila aus zu verkünden hatte, war dagegen nicht gerade neu. "Karol" warnte seine jugendlichen Anhänger vor neuen Formen der "moralischen Sklaverei" wie den Mißbrauch von Sexualität, Drogen und Alkohol. Unter dem Einfluß der Medien würden "objektive Normen der Moral ignoriert". Schon bei einer Gebetswache am Vorabend der Supermesse hatte der Papst sogenannte "falsche Lehrer" gegeiselt, die ein "Anti-Evangelium" predigten - darunter intellektuelle Eliten in Wissenschaft, Kultur und Medien. Botschaft an China Eine versöhnliche Botschaft richtete Johannes Paul II. dagegen über den kirchlichen Rundfunksender "Veritas" an die atheistischen Führer in Peking. Wenn die Volksrepublik China die päpstliche Autorität akzeptiere, könne das seit der kommunistischen Machtübernahme 1949 gestörte Verhältnis bald normalisiert werden. Die Anwesenheit einer halb-offiziellen chinesischen Jugenddelegation in Manila bezeichnete der Heilige Vater als ermutigendes Zeichen für Entspannung. Nach Schätzungen des Vatikans bekennen sich noch fünf bis acht Millionen Chinesen zur katholischen Religion, gespalten in eine Rom-freundliche und eine regierungsnahe Fraktion.Zum 25. Jubiläum der asiatischen Missionsstation "Veritas" ehrte der Papst auch deutsche Förderer, darunter das Erzbistum Köln, die deutsche Bischofskonferenz sowie die Hilfswerke "Missio" und "Misereor". Bei der Auszeichnungen, die unter anderen der Kölner Kardinal Joachim Meisner entgegennahm, dankte der Papst auch ausdrücklich für die Unterstützung der deutschen Bundesregierung für Radio Veritas. Der Papst kündigt an, daß der nächste kirchliche Weltjugendtag in Paris stattfinden wird. +++