Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg verschwindet aus der Wilhelmstadt: Heute beginnt der Abriß des Luftschutzbunkers auf dem Gelände an der Földerichstraße 24-30. Dort entstehen 62 Wohnungen für Bundesbedienste.Ursprünglich sollten die 5 000 Kubikmeter Beton auf einer Fläche von 800 Quadratmetern, wie die alte Spandauer Schleuse am Kolk, Stück für Stück durch kleinere Sprengungen abgetragen werden. Doch der Investor - die Dr.-Kressner-Baubetreuungs-Eigenheimbau-GmbH - entschied sich anders. Den Abriß des zwölf Meter hohen Bunkers übernimmt nun eine Firma für Beton-, Bohr-und Sägetechnik aus Mannheim. Sie setzt dafür einen gewaltigen Feldmeißel ein - den größten seiner Art in Deutschland. Der 70 Tonnen schwere, 3,70 Meter breite, elf Meter lange und 4,60 Meter hohe Spezialbagger wurde mit einem Schwertransporter extra von Baden-Württemberg nach Spandau befördert. Die Abrißkosten in Höhe von 750 000 Mark werden auf den Kaufpreis des Grundstückes angerechnet.Das Abtragen des Luftschutzbunkers wird voraussichtlich zwei Monate dauern. Große Trümmer werden von einem zweiten Bagger zerkleinert. Anschließend wandert das Material in eine Recycling-Firma, die den Beton zu weiterer Nutzung aufarbeitet.In den fünfziger Jahren sollte der Beton-Koloß inmitten der Wilhelmstadt zu einer Kirche umgebaut werden. Später beherbergte das 45 Meter lange und 25 Meter breite Bauwerk eine Champignonzucht. Doch die meiste Zeit stand der Luftschutzbunker leer. Nachdem der Berliner Landeskonservator seine Pläne aufgegeben hatte, den grau-braunen Klotz unter Denkmalschutz zu stellen, suchte der Bund als Eigentümer lange vergebens nach einem Investor. Nach Aussage von Spandaus Baustadtrat, Thomas Scheunemann (SPD), soll auf dem Gelände an der Földerichstraße bis zum kommenden Jahr ein viergeschossiges Wohnhaus mit 14 Zwei-, jeweils 20 Drei-und Vier- sowie acht Fünf-Zimmer-Wohnungen entstehen. Vorgesehen sind außerdem eine Tiefgarage mit 55 Parkplätzen sowie kleinere Läden im Erdgeschoß zur Wever- und zur Beyerstraße hin. Die Gesamtkosten liegen bei 34 Millionen Mark. +++