Hannover - So hat man Christian Wulff lange nicht strahlen sehen, zumindest nicht im Landgericht Hannover. Es ist 9.35 Uhr am Donnerstag, als Maria Furtwängler den Saal 127 betritt, ach was, hineinrauscht in einer Wolke edlen Parfüms und mit wogendem Blondschopf. Die Schauspielerin setzt sich in den Zeugenstuhl, nickt Wulff auf der Anklagebank lächelnd zu. Und da strahlt er zurück, der Ex-Bundespräsident, der sich mit seiner Frau Bettina einst so wohlfühlte bei den Schönen und Reichen und dem nun der Prozess gemacht wird wegen Vorteilsannahme.

Bei dem Ereignis, das der Anklage zugrunde liegt, war Maria Furtwängler zeitweise dabei, weshalb sie an diesem Donnerstag als Zeugin geladen ist. Es geht um einen Abend beim Oktoberfest 2008, den Wulffs mitangeklagter Freund, der Unternehmer David Groenewold, spendiert hatte. Das Gericht muss klären, wie viel die Wulffs an Speisen und Getränken konsumiert haben, wie groß also der Vorteil war, den Groenewold gewährte.

Maria Furtwängler, die „Tatort“-Kommissarin, ist jedoch eine Zeugin ohne Erinnerung. Eine Stunde, vielleicht anderthalb sei sie im Zelt gewesen und habe die meiste Zeit am Nachbartisch mit ihrem Kollegen Hannes Jaenicke herumgestanden, sagt sie. Der Richter ist entzückt, auch er strahlt die 47-Jährige an.

Immerhin erinnert sie sich noch, dass die Idee für das Treffen auf dem Oktoberfest von den Wulffs kam, bei einem freundschaftlichen Essen im Wohnhaus des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten. Kurz vorher habe sie dann eine SMS des Politikers bekommen mit dem Vorschlag, sich am 27. September 2008 im Käfer-Zelt zu treffen. Sie habe die SMS an ihren Mann weitergeleitet.

Furtwänglers Mann ist der Verleger Hubert Burda, und auch er erscheint an diesem Tag als Zeuge vor Gericht. Eine Viertelstunde dauert seine Befragung, fünf Minuten länger als die seiner Frau. Auch er kann nichts Substanzielles beitragen. Was die Wulffs gegessen haben? Keine Ahnung. Wer alles mit am Tisch saß? „Es ging da eher nordisch zu“, scherzt der 71-Jährige, „wir wurden einander nicht vorgestellt.“ Nach etwa zwei Stunden sei er gegangen, seine Frau war da schon weg.

Burda sagt, er habe sich mit Wulff unbedingt treffen wollen. 2008 sei heftig über den Rundfunk-Staatsvertrag debattiert worden, die öffentlich-rechtlichen Sender wollten ihr Online-Angebot massiv ausbauen. Er als Präsident des Verbandes der Zeitschriftenverleger habe dagegen gehalten und Verbündete in der Politik gesucht. „Und der Wulff war jemand, das wusste ich, der hat’s kapiert“, sagte Burda. Ein Treffen vor dem Oktoberfest hatte Wulff jedoch abgesagt, daher habe man im Käfer-Zelt das Thema angesprochen. „Vier, fünf Sätze, dann haben wir gemerkt, wir sind einer Meinung und das Thema war durch“, erinnert sich der Verleger.

Wulff ließ sich übrigens die Hotelkosten von 257 Euro, die Groenewold nicht übernommen hatte, vom Land Niedersachsen erstatten. Begründung: Er habe in München ein dienstliches Gespräch mit Verleger Burda geführt. Die Frage, ob „vier, fünf Sätze“ ein Gespräch sind, braucht das Gericht nicht zu klären. Die Kostenübernahme durch das Land ist nicht Teil der Anklage.