Paris - Frankreichs Rechtspopulisten haben gute Aussichten, die erste Runde der Départementswahlen für sich zu entscheiden. Einhellig gingen die Meinungsforscher am Wochenende davon aus, dass der Front National ein Rekordergebnis vermelden darf. Laut letzten Umfragen kann der bei den Europawahlen im vergangenen Jahr mit 25 Prozent zur stärksten politischen Kraft avancierte FN am Sonntag noch einmal um vier bis fünf Punkte zulegen.

Das Institut Ipsos prophezeite der Partei Marine Le Pens 30 Prozent und damit Platz eins vor der gemeinsam mit den Zentristen antretenden rechtsbürgerlichen Union für eine Volksbewegung (UMP), die 29 Prozent erwarten darf. Für die regierenden Sozialisten zeichnete sich dagegen ein Debakel ab. Knapp 20 Prozent der Stimmen waren den Genossen prophezeit worden – wegen des wenig erfolgreichen Kurses von Staatschef Francois Hollande.

Was für sie besonders bitter ist: In einem Gutteil der 101 Départements dürften sie die 12,5-Prozenthürde verfehlt haben und damit den Einzug in die für nächsten Sonntag angesetzte zweite Wahlrunde. Sie findet statt, soweit im ersten Anlauf kein Kandidat die absolute Mehrheit erzielt hat. Die Zeiten, da in Frankreich zwei große Parteien, Rechtsbürgerliche und Sozialisten, das politische Leben weitgehend allein bestimmen, scheinen endgültig vorbei.

Enttäuscht von den Sozialisten, wenig angetan von Sarkozys Rückkehr in die Politik wie auch von den rechtspopulistischen Parolen Le Pens, wollten rund 40 Prozent der Wähler zu Hause bleiben. Das sich abzeichnende frühe Ausscheiden der Sozialisten bedeutet für die Kandidaten des Mitte-Rechtsbündnisses, dass sie in der zweiten Runde gegen FN-Politiker anzutreten haben. Das Kräftemessen dürfte dann aber dank der Stimmen linker Wähler meistens zu Gunsten der Konservativen ausgehen. Sie hoffen, statt bisher 41 künftig mindestens 70 Départements zu kontrollieren.

Frauenquote 50 Prozent

Um enttäuschte ehemalige PS-Wähler zur Stimmabgabe zu bewegen, hatte Frankeichs Premier in alter sozialistischer Tradition zum Kampf gegen rechts aufgerufen. Anstatt den Départements obliegende Aufgaben wie Schulbau oder Sozialleistungen zur Sprache zu bringen, hatte Manuel Valls die Abstimmung zur nationalen Schicksalswahl erklärt und an die Franzosen appelliert, das Land nicht „an der Wand des Front National zerschellen zu lassen“. Die Folge ist freilich, dass den angeblich das Schicksal der Nation in Händen haltenden Rechtspopulisten noch mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Selbstbewusst empfehlen sie sich als von der Regierung gefürchtete politische Alternative.

In einem haben die Sozialisten den Wahlen freilich ihren Stempel aufgedrückt. Die neuen Départementsräte werden mit einem von 18 auf 50 Prozent steigenden Frauenanteil paritätisch besetzt sein. Möglich macht dies eine Gesetzesreform. Sie verpflichtet Kandidaten, paarweise vor den Wähler zu treten, als gemischtes Doppel.