BERLIN. Applaus in der CDU-Fraktion. Den hat es nach dem Absturz der Berliner Union am Wahlsonntag auf 21,3 Prozent in der ersten Sitzung der Fraktion selten gegeben. Aber bei Mario Czaja schon. Der 31-Jährige hat als einziger CDU-Politiker seinen Wahlkreis in Ost-Berlin direkt gewonnen. Mit 33,2 Prozent. Das waren sehr viel mehr Erst- als Zweitstimmen, denn insgesamt kam die CDU in Marzahn-Hellersdorf nur auf 13,1 Prozent.Czaja, geboren im Ostteil der Stadt, ist das, was man eine Nachwuchshoffnung nennt. Er ist sympathisch, interessiert, stets adrett gekleidet, und er hat politische Erfolge. Er war schon mit 22 Jahren stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU in Marzahn-Hellersdorf, er kam 1999, damals 24 Jahre alt, ins Abgeordnetenhaus. Seitdem wurde er für viele Ämter in der Berliner CDU gehandelt, seitdem hat er viele Höhen und Tiefen erlebt. Es war einiges los in den letzten Jahren.Gefördert wurde Czaja von dem ehemaligen Wirtschaftssenator Elmar Pieroth. Der ging nach der Wende in den Kreisverband Marzahn-Hellersdorf und schimpfte nicht auf die ehemaligen SED-Mitglieder, sondern setzte sich zu ihnen ins Wohnzimmer oder mit Petra Pau aufs rote Sofa. "Von Pieroth habe ich sehr viel gelernt", sagt Czaja. "Er war mein politischer Ziehvater." Von Pieroth hat er die Wohnzimmergespräche übernommen, gelernt, dass man Biografien ernst nehmen muss, sich Berater geholt, über die andere in der CDU die Nase rümpfen. Wie den ehemaligen Dresdener Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer, der Czaja schon mal was von der "untergangserfahrenen Generation" erzählt. Den Ausdruck benutzt auch Czaja gern.Pieroth übergab den Kreisvorsitz im Jahr 2002 an Czaja. Seitdem ging es nicht nur aufwärts. Czaja unterstützte 2003 massiv den ehemaligen CDU-Finanzsenator Peter Kurth bei dessen Versuch, Fraktions- und Landesvorsitzender zu werden. Kurth scheiterte in beiden Fällen, wenn auch knapp. Czaja bekam dies in den Monaten danach zu spüren. So unterlag er mit seiner Kandidatur für einen der Stellvertreterposten in der CDU-Fraktion. Auch im Kreisverband gab es große Probleme. Czaja wurde wegen angeblicher Finanzunregelmäßigkeiten zum Rücktritt aufgefordert. Die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos, Czaja blieb. Aber 34 Mitglieder verließen den Kreisverband.Und dann ist da noch sein Bruder. Sebastian Czaja, jetzt 23 Jahre alt. Vor zwei Jahren machte er in der Boulevard-Presse Schlagzeilen, weil er mit dem Nackt-Modell Micaela Schäfer eine Beziehung eingegangen war. Die beiden Brüder können gar nicht gut miteinander, der Jüngere konkurriert mit dem Älteren. Sebastian wollte einer der Stellvertreter im Kreisvorstand werden, Mario rief die Delegierten auf, ihn nicht zu wählen.Anschließend trat Sebastian Czaja, Bezirksverordneter in Marzahn-Hellersdorf, von der CDU zur FDP über. Wieder gab es Schlagzeilen. Auch Sebastian Czaja hat jetzt den Einzug ins Abgeordnetenhaus geschafft, über die FDP-Bezirksliste. Und wie ist das Verhältnis zum Bruder? "Es ist okay", sagt Mario Czaja. Andere wissen, dass die beiden sich nichts zu sagen haben.Und dann war da noch die "Titel-Affäre". Anfang des Jahres kam heraus, dass Mario Czaja im Abgeordnetenhandbuch als Schulabschluss "Gymnasium" angegeben, obwohl er die Schule ohne Abitur verlassen und später an einer umstrittenen Schweizer Hochschule einen Abschluss gemacht hatte. Manch einer sah da schon das Ende von Czajas politischer Karriere."Mit diesem guten Wahlergebnis ist er rehabilitiert", heißt es in der Berliner CDU. Jetzt will man von ihm lernen. Denn Mario Czaja hat gezeigt, wie die CDU auch im Ostteil der Stadt gewinnen kann. Schon 1999 holte er den Wahlkreis direkt, weil er sich um die Anwohner in Mahlsdorf, um die Siedlungspolitik kümmerte. Im Jahr 2001 verlor Czaja den Direktwahlkreis - aber da hieß der Gegenkandidat Gregor Gysi. Und nun gewann er ihn wieder, weil er sich vor Monaten des Themas Straßenausbaubeitragsgesetz annahm. Czaja kämpfte dagegen, kümmerte sich um die Menschen, die befürchten, dass sie nun tausende Euro beim Ausbau einer Straße zahlen müssen. Er organisierte gemeinsam mit dem Verband Deutscher Grundstücksnutzer Informationsveranstaltungen, zu denen mehr als 1 500 Anwohner kamen. Das Gesetz wurde zwar dennoch vom Parlament beschlossen, aber Czaja von den Wählern für seinen Einsatz belohnt. Und er ist bekannt in seinem Wahlkreis. So lädt er regelmäßig zu Veranstaltungen ein - Angela Merkel war schon da, Friedrich Merz, Eberhard Diepgen oder Gregor Gysi, mit dem Czaja gut kann. Im Wahlkampf nahm sich Czaja, der bei einer Service-Gesellschaft tätig ist, vier Wochen Urlaub und führte Haustür-Gespräche. Hunderte, mal mit prominenter Begleitung, mal ohne. "Die Leute kennen mich, seit Jahren. Sie sehen mich nicht vier Wochen vor der Wahl zum ersten Mal", sagt er.In der Berliner CDU soll Czaja nun eine wichtigere Rolle spielen. So will es der Spitzenkandidat Friedbert Pflüger, der jetzt die Fraktion führt. Die beiden schätzen sich. "Friedbert Pflüger kann die CDU wieder regierungsfähig machen", sagt der 31-Jährige. Er will dabei helfen. Und auch seine Fehler korrigieren. Am Sonnabend hat Czaja mit einem Fernstudium an einer Technischen Fachhochschule begonnen.------------------------------Foto : Mario Czaja im Berliner Wahlkampf, mit Friedbert Pflüger im Hintergrund.