Neulich im "Tatort" gelang es Axel Prahl Dank seines Auskennens mit dem Werk der Dire Straits einen extrem unübersichtlichen Fall nicht gerade aufzulösen, das hätte wahrscheinlich nicht mal der Drehbuchautor geschafft, aber er konnte zumindest die Ermittlungen ein Stück weiter bringen. In einer Kleinanzeige hatte eine verdächtige junge Frau nach "Brother In Arms" gesucht. Sie machte sich nicht etwa verdächtig, weil sie viel zu jung für die Dire Straits war, Prahl merkte, dass da etwas nicht stimmen kann, da er selbstverständlich wusste, dass die LP "Brothers In Arms" heißen muss - Plural. Es ist das Album mit der Gitarre vorne drauf.Die auf dem Plattencover von 1985 abgebildete Gitarre mit dem metallenen Korpus ist eine National Style-O aus den dreißiger Jahren. Mark Knopfler liebt sie heute noch. Die Gitarre ist die besten Freundin, die du kriegen kannst, hat er mal gesagt, sie begleitet dich durch dein ganzes Leben. Er weiß, wovon er spricht, er ist zum dritten Mal verheiratet. Die alte Gitarre spielt an der Seite von Mark Knopfler und Emmylou Harris eine Nebenrolle auf deren neuer DVD "Real Live Roadrunning". Sie tritt dort solistisch in dem Stück "Romeo & Juliet" auf, von dem man lange Zeit annahm, es nicht mehr hören zu können, zu wollen oder zu dürfen. Einfach, weil die Dire Straits irgendwann, und letztlich nicht zu Unrecht wegen einer Schnulze wie "Romeo & Juliet", auf dem geschmackskritischen Index gelandet sind.Aber, liebes Geschmacksgericht, das ist doch nun verjährt. Die Schamfrist ist längst abgelaufen.Wenn Christoph Daum wieder die Bundesliga trainieren darf, dann wird man doch wohl auch daran erinnern dürfen, dass die Dire Straits mal eine tolle Band gewesen sind. Nach zwanzig Jahren kommen zur Bewährung selbst Mörder wieder frei. Man kann also festhalten, dass Mark Knopfler mit "Romeo & Juliet" alle Bewährungsauflagen erfüllt. Er interpretiert das neuralgische Stück durchaus werktreu, aber dennoch frisch und sein abschließendes Gitarrensolo fällt für Knopflersche Verhältnisse recht kurz aus. Man muss auch mal loslassen können. Und sei es den Gitarrenhals. Mit drei Nummern kommen die Dire Straits auf der DVD überhaupt ziemlich kurz weg. Viel interessanter sind ja seit einiger Zeit schon Knopflers Aktivitäten nach dem Pop. Er schreibt bessere Songs denn je und einige der besten sind bei diesem Konzert mit Emmylou Harris zu hören. Mark Knopfler spielt heute wie ein alter Gott. "Anstelle weitgreifender Linien dominiert ein melodischer Minimalismus, der seinen figuralen Erfindungsreichtum aus struktureller Finesse schöpft." Schreibt die FAZ. Axel Prahl hätte es nicht schöner sagen können.------------------------------Foto: Die Gitarre der LP "Brothers in Arms" spielt auf Knopflers neuer DVD eine Nebenrolle.

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