TAIPEH, 16. Februar. "Erst war ein ohrenbetäubender Knall zu hören. Dann sah ich, wie die Maschine in Häuser raste, auch in das meines Onkels. Anschließend nur noch Flammen es war die Hölle." Für die Anwohner des Flughafens der taiwanischen Hauptstadt Taipeh war es am Montag abend, als stürze der Himmel ein. Noch Stunden nach der verheerenden Bruchlandung eines Airbus-300 vor ihrer Haustür steht ihnen der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Die Unfallstelle, ein Areal von etwa hundert Quadratmetern, ist mit gelbem Plastikband abgesperrt. Im Dunkel der Nacht stöbern Polizisten, Soldaten und Feuerwehrleute in den rußigen, mit Löschschaum bedeckten Wrackteilen.Alle 196 Insassen der Maschine aus Bali und mindestens sieben Anwohner starben, als Flug 676 der taiwanischen Gesellschaft China Air in einem Meer von Flammen endete. Zum Zeitpunkt des Unglücks lag dichter Nebel über dem Flughafen. Die Maschine knickte zwei Strommasten und mehrere Bäume ab. Dann bohrte sie sich in eine Reihe von etwa einem Dutzend Häusern an einer vierspurigen Straße. Zwei oder drei der Gebäude wurden förmlich zermalmt. Die anderen fingen Feuer.Sie habe vor dem Fernsehapparat gesessen, als ihre Fenster unter der Gewalt der Explosion erzitterten, berichtet eine Zeugin. Sofort sei sie auf die Straße gelaufen und sah sich einem Bild des Grauens gegenüber. Immerhin, sie habe Glück gehabt, meint die Frau: Ihr Haus stehe kaum 50 Meter von der Absturzstelle entfernt und sei nahezu unversehrt geblieben. Weniger glimpflich lief es für einen ihrer Nachbarn ab. Auch er saß gerade vor dem Fernseher, als das Dach seines Hauses über ihm zusammenstürzte. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete, kam der Mann in eine Klinik, doch war über seinen Zustand nichts zu erfahren.Trümmerteile, verstümmelte und verkohlte Leichen, Kleidung und Gepäckstücke liegen in weitem Umkreis verstreut. Durch die gespenstische Kulisse huschen Feuerwehrleute in silberfarbenen Schutzanzügen, packen Leichen und Leichenteile in Säcke, stochern auf der Suche nach dem Flugschreiber im Wrack herum. Herzzerreißende Szenen spielen sich derweil einen Kilometer weiter in der Ankunftshalle des Flughafens ab, wo Angehörige der Opfer weinend und verzweifelt ausharren. Manche hoffen noch immer. Doch die Hoffnung schwindet. (AFP)