Mathematik hoch zwei

2008 ist das Jahr der Mathematik. Ein Jahr lang soll sich alles um Zahlen und Formeln drehen. An der Berlin Mathematical School (BMS) ist dies jedoch nicht nur im Mathematikjahr der Fall. An der Graduiertenschule können Studierende auf dem Schnellweg zur Promotion gelangen. Um ihre Doktorandenausbildung besser zu strukturieren, haben die drei Berliner Universitäten die Schule im Sommer 2006 gegründet. Anders als üblich, wird an der BMS nicht zwischen reiner und angewandter Mathematik unterschieden. "Mathematics as a Whole" - Mathematik als Ganzes, lautet der Leitspruch.Ein überzeugendes Konzept, befanden die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat, die die Schule in das Förderprogramm der Exzellenzinitiative aufnahmen.Im Moment studieren mehr als 100 junge Mathematiker an der BMS. Neben erstklassigen Studienleistungen haben sie bei ihrer Bewerbung gute Englischkenntnisse bewiesen, denn der gesamte Unterricht findet auf Englisch statt. Der Grund: Fast die Hälfte der Studierenden kommen nicht aus Deutschland.Die BMS ist aber keine reine Doktorandenschmiede. Für die erste Phase des Programms können sich schon Studierende mit einem Bachelor-Abschluss bewerben. In drei bis vier Semestern werden sie auf Diplomniveau ausgebildet. Seminare und Vorlesungen finden abwechselnd an HU, TU und FU statt. Eine Besonderheit des Programms: Eine Diplomarbeit müssen die Studierenden nicht schreiben, sondern lediglich ein "qualifying exam" ablegen. Der Übergang in die zweite Phase des Programms erfolgt nahtlos. In dieser arbeiten die jungen Forscher an ihrer Dissertation. Die sollen sie in maximal drei Jahren abschließen, so sieht es der Schulplan vor.Anna von Pippich ist Doktorandin der BMS. Seit zwei Jahren feilt sie an ihrer Promotion in Zahlentheorie. Wie viele BMS-Doktoranden promoviert sie nicht direkt an der BMS, sondern besucht ein externes Graduiertenkolleg. Vier mathematische Graduiertenkollegs zu verschiedenen Fachbereichen gibt es in Berlin, drei an der HU und eines an der TU. An allen promovieren BMS-Doktoranden."Ein großer Vorteil der BMS ist, dass wir im Gegensatz zu Universitätsdoktoranden nicht unterrichten müssen", sagt die 29-Jährige. Von Pippich lobt die gute Organisation und Betreuung an der BMS: "Wichtige Vorlesungen werden nicht nur einmal pro Jahr angeboten, wie es an vielen Universitäten der Fall ist." Auch die BMS-Fridays, ein Kolloquium, bei dem sich die Nachwuchsforscher mit renommierten Mathematikern austauschen können, schätzt von Pippich.Aber ist eine Promotion in drei Jahren überhaupt möglich? "Wenn man sich richtig reinhängt, ist es zu schaffen", sagt von Pippich. Trotz der vielen Annehmlichkeiten - jeder Studierende hat ein Büro und bekommt einen Professor als Mentor zu Seite gestellt - ist von Pippich überzeugt: "Elitär geht es bei uns nicht zu. Alle Studierenden sind sehr motiviert, aber die Lernatmosphäre ist unverkrampft."Für die Mathematik motivieren will auch der Känguru-Mathematikwettbewerb. Allerdings keine jungen Forscher, sondern Schüler. Kinder und Jugendliche von der dritten bis zur dreizehnten Klasse können teilnehmen. In diesem Jahr haben sich 800 000 junge Leute angemeldet. Am 10. April haben sie 75 Minuten Zeit, um eine Reihe mathematischer Aufgaben zu lösen. Die Besten werden in ein Mathecamp eingeladen. Im Gegensatz zu anderen Mathematikwettbewerben, wie etwa der Mathematik-Olympiade, ständen beim Känguru-Wettbewerb jedoch nicht die Begabung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vordergrund, sagt Monika Noack. Die Vorsitzende des Vereins Mathematikwettbewerb Känguru e.V. betont: "Wir wollen alle Schüler erreichen, vom Gymnasium bis zur Hauptschule." Wenn ein Schüler nachher im Matheunterricht aufpasse, sei der Wettbewerb erfolgreich gewesen. Mathematik sei deshalb wichtig, weil sie fast überall drinstecke. "Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir den ein oder anderen dafür begeistern könnten, nach dem Abitur Mathematik zu studieren", sagt Noack.Ob die Schülerinnen und Schüler dies an der Berlin Mathematical School tun könnten, ist nicht sicher. Die Exzellenzinitiative, das finanzielle Fundament der BMS, läuft nach fünf Jahren aus. Im nächsten Jahr entscheidet der Bundestag, ob sie fortgesetzt wird und damit, ob die Berlin Mathematical School eine langfristige Zukunft hat. Ann-Kathrin Nezik