In England ist die Maul- und Klauenseuche (MKS) ausgebrochen. Professor Hermann Müller, Mitglied der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft erklärt, was das Virus so gefährlich macht, und warnt zugleich vor Panikmache.Sind Sie über den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien erstaunt?Es wundert mich nicht wirklich, weil das Virus äußerst ansteckend ist. Theoretisch reicht ein Viruspartikel aus, um ein Rind mit der Maul- und Klauenseuche zu infizieren. Bei anderen Krankheiten sind hunderte oder tausende von Erregern für eine Infektion nötig.Das Virus stammt offenbar aus einem Labor. Wie konnte es in die Natur gelangen?Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Virus immer wieder entkommen konnte. 1974 war dies etwa in Tübingen der Fall. Über die aktuelle Ursache kann ich nur spekulieren. Möglicherweise hat sich ein Mitarbeiter nicht sorgfältig gewaschen und ein Virus in seinem Haar nach außen transportiert.Besteht auch hierzulande die Gefahr, dass das Virus aus Laboren nach draußen gelangt?In Deutschland gibt es mit dem Friedrich-Löffler-Institut nur ein Hochsicherheitslabor, das an MKS-Viren forscht. Hier herrscht die höchste Sicherheitsstufe. Da das Institut auf einer Insel liegt, verringert sich das Risiko einer Infektion außerdem.Wie bewerten Sie die Sicherheitsmaßnahmen, die Großbritannien derzeit ergreift?Im Gegensatz zu 2001, als schon einmal die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist, gibt es jetzt einen sehr guten Krisenstab, der die Sache offenbar im Griff hat.Sie glauben also nicht, dass sich das Virus auf der ganzen Insel verbreitet?Da es nur an einem Punkt vorgekommen ist, bin ich zuversichtlich, dass die Behörden die Seuche im Griff haben.Auch in Deutschland sind Sicherheitsmaßnahmen angelaufen. Wie bewerten sie diese?Die Maßnahmen sind notwendig und richtig.Wir müssen uns also keine Sorgen machen?Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besteht keine Gefahr. Die Verbraucher müssen keine Angst haben und auch auf Fleisch nicht verzichten. Ohnehin ist das Infektionsrisiko vom Tier auf den Menschen sehr gering. Dazu müsste ein sehr enger Körperkontakt zum Tier bestehen.Seit 1992 werden die Rinder in EU-Ländern nicht mehr gegen MKS geimpft. Zu Recht?Der Verzicht ist der richtige Weg. Die Impfung schützt zwar vor dem Ausbruch der Krankheit, aber nicht vor der Infektion. Ein klinisch unauffälliges Tier kann also zur Ausbreitung der Seuche beitragen. Zudem ist die Impfung nicht sehr wirksam. Das hängt auch mit der hohen Mutationsrate des Virus zusammen.Erwachsene Tiere überleben MKS. Warum werden die Tiere trotzdem getötet?Oberstes Ziel ist es, die Seuche einzudämmen. Hier geht es nicht in erster Linie um eine Gefährdung des Menschen, sondern um wirtschaftliche Überlegungen. Ein Rind, das MKS hat, verliert viel an Körpermasse und produziert nicht mehr richtig Milch. Es wäre schade um das Futter, das man an die Tiere verfüttert.Das Gespräch führten Daniel Baumann und Daniel Freudenreich.------------------------------Foto: Hermann Müller, ist Tierarzt für Mikrobiologie und lehrt an der Uni Leipzig