Wo liegt FYROM? Der Staat ist immerhin Mitglied der Uno. Eine Antwort wissen aber sicher nur gelernte Außenpolitiker oder eingefleischte Sportfans. Und die Griechen. Sie hatten die Abkürzung erfunden, weil sie nicht akzeptieren wollten, dass nach dem Zerfall Jugoslawiens plötzlich ein Staat namens Mazedonien auf der Karte erschien. Mazedonien heißt auch eine Provinz in Nordgriechenland - Hauptstadt Thessaloniki. So zwangen sie ihrem Nachbarn den herabwürdigenden Namen "Former Yugoslav Republic of Macedonia" (Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien) auf.Seit fast 20 Jahren kämpfen die Mazedonier gegen das kryptische Etikett FYROM und für ihre Anerkennung als gleichberechtigter Teil Europas. Jetzt scheint es, als sollte der überflüssigste - zumindest jedoch bizarrste - europäische Streit beendet werden können. Der 71-jährige Anwalt Matthew Nimetz, der seit vielen Jahren im Namen der Uno verzweifelt um eine Lösung bemüht ist, war gerade in der mazedonischen Hauptstadt Skopje und reist jetzt weiter nach Athen. Am Ende dieser Mission und dieser Woche könnte endlich ein Kompromiss stehen, hoffen Optimisten. Es gibt jedenfalls sehr ermutigende Anzeichen.Griechenland betrachtet sich als Alleinerbe des historischen Mazedonien, das durch seine großen Könige Philipp und Alexander in die Geschichte eingegangen ist. Zur Durchsetzung der Ansprüche fuhr man alle verfügbaren diplomatischen Waffen auf. Schließlich galt es aus Athener Sicht, Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn abzuwenden - die dieser niemals erhoben hat. Dennoch wurde die Nato-Mitgliedschaft Mazedoniens blockiert und ebenso die Aufnahmeverhandlungen in die EU. Seit fünf Jahren ist Mazedonien Kandidat - fünf verlorene Jahre.Der Streit ist auch deshalb so absurd, weil die alten Mazedonier, weder Philipp noch sein Sohn Alexander, direkte Vorfahren der heutigen Griechen waren - ebensowenig wie auch der heutigen Mazedonier. Die jedoch scheuten sich ihrerseits nicht, gerade Alexander für sich zu vereinnahmen. Zum großen Ärger der Griechen nannten sie demonstrativ den Flughafen in Skopje nach ihm, und sie planen ein großes Denkmal des Welteroberers im Zentrum der Hauptstadt. Der Präsident empfängt seine internationalen Gäste am liebsten in einem Saal, den ein gewaltiges Alexander-Mosaik schmückt.Niemand hat die Vorschläge gezählt, um den Namensstreit zu lösen. Jetzt scheint in Skopje eine Formel gefunden, die offensichtlich in Athen akzeptiert werden. "Republik Nordmazedonien" soll dem Vernehmen nach künftig auf den Pässen stehen.------------------------------Karte: Mazedonien