Mitmach-Shows gibt es viele im deutschen Fernsehen, Internet-Magazine schon weniger. Und nur die Privatsender haben bisher Formate wie die "MyVideo Show" auf Sat.1 im Programm, in denen Videos aus dem Internet vorgeführt werden. Das Ganze erinnert an Sendungen wie "Pleiten, Pech und Pannen", nur dass die Clips oft bewusst für das Web produziert wurden und nicht zufällig im Urlaub oder auf der Familienfeier entstanden - "User generated content" heißt das im Internet-Jargon.Nun bestreitet auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk erstmals eine eigenständige Sendung mit Filmmaterial von Internet-Usern: "Clipmania" läuft beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und beim Auslandssender Deutsche Welle (DW) in deren Fernsehprogrammen. Die zweisprachige Sendung in Deutsch und Englisch ist eine Produktion der Ufa Entertainment in Potsdam-Babelsberg und wird sogar arabisch untertitelt ausgestrahlt.Koproduktion mit DW-tvDas neue Format unterscheidet sich aber "deutlich von den Angeboten privater Sender", sagt DW-Fernsehdirektor Christoph Lanz. "Wir zeigen nicht nur lustige, selbstgedrehte Videos der Zuschauer", wie sie auch bei Youtube und anderen Plattformen im Internet zu sehen sind, ergänzt MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze. Die Koproduktion der beiden Sender wird vielmehr von einer Redaktion aus beiden Häusern betreut und von Thomas Hackenberg (deutsch) und Max Hofmann (englisch) moderiert. Mit "journalistischem Blick werden frische, authentische und kreative" Amateurfilme ausgewählt, Reporter zeigen deren Schöpfer.Da präsentiert sich etwa der Franzose Remi Gaillard unter dem Titel "Vom Schuhverkäufer zum Videoclown", die 14-jährige Mina aus München wird vorgestellt, die mit Musikclips vom Schulmädchen zum Popstar mutieren will, ohne durch die Hölle von "Deutschland sucht den Superstar" (RTL) zu gehen. Porträtiert werden in einer der ersten Sendungen auch Amateurfilmer aus Jena, die seit Jahrzehnten ihrem Hobby frönen.Das Ganze findet im Studio statt, wo es auch eine Band sowie Gespräche zu den Hintergründen und Trends des Mitmach-Internets gibt. "Fehlt nur noch das Fernsehballett", scherzt Hackenberg. Als Moderator und Comedian ist der 45-jährige Kölner dem Publikum schon aus der Verbrauchershow "Wie Bitte?!" (RTL) und "Quiz Taxi" (Kabel 1) bekannt. Seine weniger bekannten Qualitäten als Radiojournalist lässt er beim WDR hören. Max Hoffmann kennen vor allem die Berlin-Brandenburger aus dem Hörfunk (Radio Eins, Rock Star FM und Spreeradio) beziehungsweise von "Brandenburg Aktuell". Für DW-TV ist der 33-Jährige als Reporter und Moderator zweisprachiger Sondersendungen im Einsatz.OriginalmaterialIn der millionenfachen Bilderflut "wollen wir Orientierung und Service bieten", sagt Achim Schöbel, Redaktionsleiter Wirtschaft/Verbraucher bei MDR Fernsehen über "Clipmania". Ein Unterschied zu anderen Clip-Sendungen sei, dass es "keine abgefilmten, unscharfen Monitorbilder" aus dem Internet gibt, sondern "Originalmaterial mit allen Rechten" bei den Kreativen erworben wird.Zunächst werden nur zehn Folgen der 30-minütigen Sendung produziert. Derweilen führen MDR und Deutsche Welle Gespräche über die Beteiligung weiterer Partner, um das neue Format fortsetzen zu können. MDR-Programmchef Vietze und DW-Fernsehdirektor Lanz denken da etwa an andere ARD-Anstalten, das ZDF beziehungsweise deren korporierte Programme wie 3Sat und Arte.------------------------------Clipmania; 22.50 Uhr; MDR; zehn Folgen, weitere Sendungen jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags und auf DW-tv------------------------------Foto: Die 14-jährige Sängerin Mina machte ein Video im Internet bekannt.