Ferguson - Seit Tagen gibt es scharfe Kritik am unverhältnismäßigen Verhalten der Sicherheitskräfte in Ferguson gegenüber den Medien. Zu spüren bekamen das nun auch drei deutsche Journalisten. Zwei Reporter, Ansgar Graw und Frank Herrmann, wurden am Montag vorübergehend ins Gefängnis von St. Louis gebracht. Ein dritter, Lucas Hermsmeier von der Bild-Zeitung, war am Dienstag offenbar zunächst auf dem Weg dorthin. Er habe bereits im Computersystem der Anstalt gestanden, so die Zeitung, sei aber dann ebenfalls auf freien Fuß gesetzt worden.

Graw, US-Korrespondent der Welt, und sein Kollege Herrmann, der unter anderem für die Stuttgarter Zeitung und den österreichischen Standard berichtet, wurden am Montag in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Drei Stunden und etliche Schikanen später seien sie freigelassen worden, wie Graw am Dienstag auf welt.de berichtete.

„Die Polizei, dein Feind!“, leitet er seine Erfahrungen ein. Graw und Herrmann standen nach der Schilderung Graws am Montagnachmittag US-Zeit auf einer Straße in Ferguson, auf der in der Nacht zuvor Proteste stattgefunden hatten. Die Straße sei zu diesem Zeitpunkt menschenleer gewesen, die Reporter hätten Fotos machen wollen. Polizisten hätten die Journalisten angewiesen, nicht stehenzubleiben. Graw und Herrmann folgten der Anordnung, wurden aber trotzdem festgenommen.

„Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können“, so Graw, ein erfahrener Krisenreporter. Seinem Bericht ist anzumerken, wie schockiert er über die Behandlung durch die US-Polizisten ist. Einer der Polizisten habe sich auf Nachfrage als „Donald Duck“ ausgegeben. An keinem Krisenherd der Welt sei ihm Ähnliches widerfahren. „Um mich von Polizisten fesseln und rüde anschnauzen zu lassen und ein Gefängnis von innen zu sehen, musste ich nach Ferguson und St. Louis in Missouri in den Vereinigten Staaten von Amerika reisen.“

Das sei eine „eklatante Verletzung der Pressefreiheit.“ Auch Herrmann bezeichnete die Vorwürfe als „völlig absurd“. Sie dienten offenkundig nur dem Zweck, Reporter einzuschüchtern und von der Arbeit abzuhalten. Neben den drei deutschen waren noch mindestens sechs weitere Journalisten in Ferguson vorübergehend festgenommen worden, darunter der Fotograf Scott Olson von der Agentur Getty, der Fotos von den Protesten machte.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, Übergriffe der Sicherheitskräfte auf Journalisten seien nicht zu rechtfertigen. Die Behörden müssten sie ungehindert arbeiten lassen, sagte der Bundesvorsitzende Michael Konken. Astrid Frohloff, Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen, betonte, Journalisten müssten ihre Arbeit machen können, ohne Angst vor der Polizei zu haben. In der vergangenen Woche waren bereits zwei Reporter der Washington Post und der Huffington Post vorübergehend festgenommen worden. (mit dpa)