JAKARTA, 23. Juli. Nach monatelangem Machtkampf hat die indonesische Volksversammlung am Montag Präsident Abdurrahman Wahid abgesetzt und seine bisherige Stellvertreterin Megawati Sukarnoputri zur neuen Staatschefin ernannt. Die Politikerin rief nach ihrer Vereidigung zur Einheit des Landes auf. Um die Probleme Indonesiens lösen zu können, seien vereinte Kräfte nötig, sagte sie in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.Megawati war bei der Präsidentschaftswahl im Herbst 1999 Wahid nur knapp unterlegen. Ihrem Vorgänger, der 21 Monate amtierte, waren Inkompetenz und Verwicklung in Finanzskandale vorgeworfen worden. In letzter Minute hatte Wahid versucht, seiner Absetzung durch die Auflösung des Parlaments zu entgehen. Volksversammlung, Polizei und Armee wiesen das Dekret jedoch zurück.Wahid äußerte sich zunächst nicht zu seiner Absetzung. Während der Sondersitzung der Beratenden Volksversammlung blieb er im Präsidentenpalast, wie einer seiner Berater mitteilte. Der Außenminister und engste Vertraute des Präsidenten, Alwi Shihab, kündigte an, Wahid werde auch nach der Absetzung sein Amt nicht abgeben. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta blieb es am Montag zunächst ruhig. Parlament und Präsidentenpalast wurden streng bewacht. Etwa 300 Anhänger Wahids demonstrierten vor dem Präsidentenpalast und versprachen, ihm auch weiter die Treue zu halten.Die südostasiatischen Außenminister zeigten sich bei einem Treffen in Hanoi erleichtert über die Absetzung Wahids. US-Präsident George W. Bush bekundete seinen Willen zur Zusammenarbeit mit Megawati. Auch die EU-Kommission rief "alle politischen Kräfte" und die Sicherheitskräfte zur Ruhe auf und warnte vor dem Einsatz von Gewalt. (AFP) Kommentar Seite 4, Politik Seite 6