Nach 20 Uhr fährt in jedem Zug der S-Bahn Berlin bald ein Sicherheitsmann mit. Das verspricht die S-Bahn ihren Fahrgästen. Bislang hatten Sicherheitskräfte nur einen Teil der Züge begleitet. Zusätzliche Kosten entstehen dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) durch den neuen Service jedoch nicht. Denn die beiden beauftragten Unternehmen teilen einen Teil ihrer Streifen, die bislang tagsüber unterwegs gewesen waren, jetzt zu späterer Stunde zum Dienst ein. Damit ist sichergestellt, dass abends und nachts in allen Zügen je ein Sicherheitsmann mitreist. Er soll regelmäßig durch alle Wagen gehen und im Notfall per Funk Kontakt mit der Leitstelle aufnehmen. "Die Streifen sind auch berechtigt, Tickets zu kontrollieren", sagt der S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Hauptsächlich sollen sie aber bei den Fahrgästen für ein Gefühl der Sicherheit sorgen.Weniger StraftatenMit der Kriminalitätsentwicklung habe das neue Konzept nichts zu tun, versichert er: "Wir haben kein Problem mit der objektiven Sicherheit. Wer nachts Angst hat, sollte den nächsten Bahnhof ansteuern." Das Risiko, in einem Zug oder auf einer Station Opfer von einem Raub oder Körperverletzung zu werden, betrage bei der S-Bahn 0,001714 Prozent. Im gesamten Berliner Nahverkehr ist die Zahl aller registrierten Straftaten von 13 739 (1997) auf 12 550 (1999) gesunken, berichtet die Senatsverwaltung für Inneres. Die Kriminalstatistik zeigt aber auch, dass einige Delikte in der S-Bahn häufiger vorkommen als bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), die dreimal so viele Fahrgäste befördern. 1999 wurden in der S-Bahn 545 Körperverletzungen registriert, in der BVG waren es rund 230. In der S-Bahn wurden 85 Raubüberfälle verübt - zwei Drittel aller derartigen Taten im Berliner Nahverkehr. 33 der 35 dort angezeigten Sexualdelikte geschahen in der S-Bahn. Auch bei den Sachbeschädigungen erreichte das Unternehmen einen Spitzenwert: 4 768 solcher Taten wurden aus der S-Bahn gemeldet - bei rund 5 500 Vandalismusfällen im gesamten Berliner Nahverkehr. Gefühl von SicherheitZudem haben viele Fahrgäste zu später Stunde einfach Angst. Vor allem leere Züge, die ins Umland fahren, sind aus diesem Grund unbeliebt. Mit einer wirklichen Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, hat das kaum etwas zu tun. Priegnitz: "Mit den Streifen wollen wir das subjektive Sicherheitsempfinden bei den Fahrgästen stärken." Mit Erfolg: "Erste Rückmeldungen der Fahrgäste sind positiv", sagt Priegnitz. In Frankfurt am Main hat sich ein solches Sicherheitskonzept bewährt. "Seit Anfang 1998 fährt nach 21 Uhr im ersten Wagen jeder S-Bahn eine Sicherheitskraft mit", sagt Peter Vollmer, Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Folge: Innerhalb eines Jahres sank die Zahl der Raubüberfälle in den Bahnen des Verbundes um ein Drittel. Der Anteil der Passagiere, der sich abends in der S-Bahn sehr sicher fühlt, verdoppelte sich auf 73 Prozent - und immerhin acht Prozent der befragten Fahrgäste sagten, dass sie nun abends häufiger die Frankfurter S-Bahn benutzen als zuvor ohne Sicherheitsbegleitung.Weniger Straftaten im Nahverkehr // Objektiv gesehen ist das Risiko, in der S-Bahn Opfer einer Straftat zu werden, gering. S-Bahn-Geschäftsführer Günter Ruppert beziffert das Risiko auf 0,001714 Prozent.Tendenz fallend: Die Zahl aller im Berliner Nahverkehr registrierten Straftaten ist gesunken. 1995 wurden laut Senat 12 079 Delikte registriert, 1997 waren es 13 739, im vergangenen Jahr 12 550. 1999 wurden S-Bahn und BVG zu mehr als 1,05 Milliarden Fahrten genutzt.Die S-Bahn liegt in der Statistik im Vergleich zur BVG bei Körperverletzung, Raub, Sachbeschädigung und Sexualstraftaten vorn.Die BVG wird von Einbrechern (76 Fälle 1999) und Taschendieben (5 187) bevorzugt. Die Buslinie 100 gilt als "rollender Tatort": 799 angezeigte Diebstähle 1999.