Der Investor Harald Huth ist mit seinen Plänen zur Bebauung des ehemaligen Wertheimareals am Leipziger Platz einen wichtigen Schritt voran gekommen. Das Verwaltungsgericht hat gestern die Klagen mehrerer Grundstücksnachbarn gegen den Bauvorbescheid des Bezirksamtes Mitte zurückgewiesen. Huth äußerte sich nach der Entscheidung erfreut über das Urteil und sagte: "Das Bauvorhaben ist jetzt nicht mehr aufhaltbar."Nach Plänen von Huth, der bereits Einkaufszentren wie "Das Schloss" in Steglitz und die Gropius-passagen in Neukölln realisierte, sollen auf dem alten Wertheimareal für 450 Millionen Euro rund 200 neue Geschäfte, ein Hotel, 160 Wohnungen sowie Büros entstehen. Bis Ende 2013 soll das neue Stadtquartier fertig sein.Vier Grundstückseigentümer aus der Nachbarschaft hatten Klage gegen die Bebauung eingereicht. Sie bemängelten, dass vier 36 Meter hohe Wohntürme, die an der Voßstraße geplant sind, zu dicht an den gegenüber liegenden Häusern stehen. Die nötigen Abstandsflächen würden nicht eingehalten. Außerdem äußerten sie die Befürchtung, dass in der Voßstraße die Belastung durch den zusätzlichen Verkehr unzumutbar werde. In erster Linie ging es aber um viel Geld. Einer der Nachbarn forderte bereits 9,6 Millionen Euro Entschädigung.Noch in der gestrigen Verhandlung zogen zwei Grundstücksnachbarn ihre Klage gegen den Bauvorbescheid zurück. Mit einem, es ist der Eigentümer des denkmalgeschützten Altbaues Voßstraße 33, verständigte sich Huth über letzte Einzelheiten einer nachbarschaftsrechtlichen Vereinbarung. Den Anwälten des anderen Klägers machten die Richter klar, er könne keinen Erfolg haben, weil sein Grundstück mit Plattenbauten an der Wilhelmstraße viel zu weit entfernt vom ehemaligen Wertheimareal liege.Mit den beiden verbliebenen Klägern kam gestern keine Einigung zustande. Bei dem einen handelt es sich um den Eigentümer des unbebauten Grundstücks Voßstraße 13-15, hinter dem die Hamburger Unternehmerfamilie Reemtsma steht. Bei dem anderen um die Firma B.Ä.R., die mehrere Plattenbauten an der Voßstraße besitzt, die von 1987 bis 1992 errichtet wurden.Die Anwälte der Kläger konnten das Gericht mit ihren Argumenten gegen den erteilten Bauvorbescheid nicht überzeugen. Zwar sei die Wirksamkeit des 2010 für das Bauvorhaben festgesetzten Bebauungsplans zweifelhaft, entschied die 19. Kammer des Verwaltungsgerichts. Doch selbst, wenn der Bebauungsplan unwirksam sei, werde durch die Vorbescheide "nicht in Nachbarrechte eingegriffen". Mit ihrer Rüge, dass mit dem Bau der Wohntürme die Abstandsflächen nicht eingehalten werden, blieben die Kläger erfolglos, weil der Investor eine Umplanung zusicherte. Auch den Einwänden zur Zunahme des Verkehrslärms folgten die Richter nicht. Begründung: Der Umfang des Verkehrslärms stehe noch nicht abschließend fest. Die Umweltauswirkungen seien erst noch im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens zu prüfen. Gegen die Entscheidung ist ein Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht möglich.Die Vorsitzende Richterin Annegret von Alven-Döring hatte in der Verhandlung deutlich gemacht, dass auf dem Areal mehr Geschossfläche errichtet werden soll als eigentlich zulässig wäre. Dies sei zwar möglich, aber nur, "wenn besondere städtebauliche Gründe dies erfordern". Aus ihrer Sicht seien im Bebauungsplan aber keine überzeugenden Gründe genannt worden, sagte sie. Eine Ohrfeige für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die den Plan erarbeitet hat.Insgesamt sind auf dem Grundstück 89000 Quadratmeter Geschossfläche vorgesehen. Das entspricht der Größe von etwa 13 Fußballplätzen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die den Bebauungsplan erarbeitet hat, verteidigte ihr Werk. Investorenbetreuer Gerhard Stanierowski sagte, dem Wertheimareal komme eine "Gelenkfunktion" zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße zu. Ziel sei die "hochverdichtete europäische Stadt". Der Anwalt des Investors, Mathias Hellriegel, unterstützte ihn und sagte, die Idee sei es, "einen Einzelhandelsmagnet zu schaffen".------------------------------Streit unter den AnrainernVier Grundstücksbesitzer aus Mitte haben Klage gegen den Vorbescheid für die Bebauung des ehemaligen Wertheimareals am Leipziger Platz eingereicht.Zu den Klägern gehören die Eigentümer des Grundstücks Voßstraße 33 (auf der Karte die Nummer 1), auf dem sich ein denkmalgeschützter Altbau befindet; die Eigentümer des Grundstücks Voßstraße 13 bis 15, hinter denen die Hamburger Unternehmerfamilie Reemtsma steht (2). Und die Eigentümer mehrerer Plattenbauten an der Voß- (3) und der Wilhelmstraße (4). Die Eigentümer von der Wilhelmstraße (4) und der Voßstraße 33 (1) zogen ihre Klagen gestern zurück.------------------------------Foto: Stein des Anstoßes: Die Wohntürme an der Voßstraße sollen 36 Meter hoch werden. Daran stören sich die Nachbarn der gegenüberliegenden Häuser.Foto: Das ehemalige Wertheimareal am Leipziger Platz, 20600 Quadratmeter groß, ist noch eine Brache.