Pumuckl ist vierzig geworden, und so mancher Gleichaltrige wird neidisch, sieht er den kleinen rothaarigen Kobold in gelbem Hemd und grüner Hose noch immer hyperaktiv durch die Welt springen. Mitten in der Nacht, in Sturm und Gewitterkrachen hüpft er barfuß durch Münchens Straßen. Er ist aufgeregt und zittert. Lange war er nicht mehr hier, er hat auf See Abenteuer mit dem blauen Klabauter erlebt. Nun will er endlich wieder zurück zu seinem Meister Eder in die gemütliche Werkstatt und in sein "allerliebstes Bett". Doch Eder ist nicht mehr da. Wo steckt er bloß?Der alte Meister ist längst tot, das muss auch Pumuckl nun erfahren (Gustl Bayrhammer starb 1993), und es macht den Kobold wütend, dass ein fremder Mann vorbeikommt, um Dinge aus Eders Werkstatt zu holen, darunter das geliebte Bettchen und die Schaukel. Dieser Mann ist Ferdinand Eder, ein Restaurator und Vetter Meister Eders. Pumuckl folgt ihm in seine Werkstatt und beginnt dort zu spuken. Tomaten verschwinden, eine Torte wird weggefressen, der Flügel eines Holzengels fällt herunter. Dann bleibt der Kobold am Leimtopf kleben und wird nach altem Koboldgesetz für Ferdinand Eder sichtbar. Dieser - vor Schreck dem Schlaganfall nahe - wird von Pumuckl als neuer Meister ausgesucht, denn wer ihn sehen kann, dem gehört er auch ("Ich will nur für einen Eder sichtbar sein").So beginnt "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer", der dritte Pumuckl-Kinofilm. Der letzte erschien vor fast zehn Jahren, und viel hat sich seitdem geändert. Der neue Meister Eder wird von Hans Clarin gespielt - leicht weltmüde, heiser, etwas eigenbrötlerisch, genervt von Pumuckls Späßen, aber auch liebevoll und väterlich. Clarin macht damit einen Sprung - von der Stimme Pumuckls (seit Anfang der sechziger Jahre) zu einer der Hauptfiguren. Aus gesundheitlichen Gründen kann er den Pumuckl nicht mehr synchronisieren. Die neue Stimme (Kai Taschner) ähnelt der alten sehr, sie wirkt aber manchmal recht bemüht und angestrengt, so dass Pumuckls Dauerplappern noch einen penetranteren Eindruck macht als bisher.Nicht nur dadurch entsteht das Gefühl, hier werde mühsam eine alte Welt aufrechterhalten. Kinder haben gewiss Spaß an den Koboldereien, den Spielen mit der Unsichtbarkeit, fliegenden Hüten, wandernden Schals, rennenden Würsten. Aber der Hintergrund, vor dem das alles stattfindet, ist leicht angestaubt und unzeitgemäß - wie ein altes hölzernes Kinderkarussell, das für ein Schausteller-Jubiläum noch einmal hervorgeholt und aufgebaut wird. Herr und Frau Magiaro, abgewrackte Zauberkünstler (Nikolaus Paryla, Sunnyi Melles) erfahren durch einen Zufall von Pumuckl und wollen ihn kidnappen, um mit ihm ihr veraltetes Trick-Programm aufzupeppen.All das, was folgt, hat man schon so ähnlich in vielen Kinderfilmen gesehen: Im anachronistisch vollbesetzten Zirkus gerät durch Pumuckl alles durcheinander - Clowns-, Zauber- und Tiernummern -, es gibt Verfolgungsjagden, und alles ist voraussehbar. Meister Eder, seine Nachbarin (sympathisch gespielt von Christine Neubauer) und ihr Sohn Markus (Roland Schreglmann, selbst pumucklrot) gehen auf die Suche, um den kleinen Kobold zu retten. Man fragt sich, wie viele fernseh- und videogewohnte Kinder dieser Film erreichen will. In zehn Jahren hat sich viel getan, Ansprüche sind gestiegen. Für sehr kleine Kinder ist der Film mit seinen teilweise ausgedehnten Dialogen recht lang, für größere ohne Realitätsbezug. Die Flachfiguren-Animation, in der Pumuckl unverändert seit seinem ersten Fernsehauftritt 1978 herumhüpft, samt den Glitzerstern-Geklimper beim Unsichtbar-Werden - wirken unzeitgemäß im Zeitalter der Computeranimation.Andererseits werden viele Eltern gerade das sehr angenehm finden. Es ist mal wieder ein Film mit einfachen Mitteln und alt-vertrauter Handlung. Denn Pumuckl hat inzwischen mehrere Generationen beeinflusst und gehört ganz zur Familie. Am Ende geht er uns doch ans Herz, der kleine Zwerg, wenn er bei Schnupfen nur "Schoko-Tafletten" als Medizin akzeptiert, wenn er dichtet: "Ich kann mit schönen Reimen die Welt zusammenleimen" und seinem neuen Meister Eder erklärt: "Weißt du auch den schönsten Reim: Ich bin daheim, ich bin daheim." Dann erinnert er uns an unsere eigenen kleinen Kobolde.Pumuckl und sein Zirkusabenteuer Deutschland 2002. Regie: Peter Weissflog, Darsteller: Hans Clarin, Christine Neubauer, Sunnyi Melles u. a.; 91 Minuten, Farbe.MOVIENET (2) Pumuckls Irrtum: Ich sehe was, was du nicht siehst - nämlich: mich.Der Mann in der Mitte ist nicht Inspektor Columbo, er benimmt sich nur so: Hans Clarin als Ferdinand Eder.