HANNOVER, 17. April. Ein eifriger Ordner von Hannover 96 wollte unter allen Umständen der Erste sein, der Felix Magath die tolle Nachricht aus Gelsenkirchen überliefert. "Schalke hat verloren", rief er dem Trainer des FC Bayern München zu. Er hatte wohl erwartet, dass Magath ihn abküssen, in den Arm nehmen oder zumindest freudig anlächeln würde. Magath sagte ohne Regung: "Aber nur 2:1."Der Ordner zuckte zusammen und verkniff sich die Glückwünsche zur deutschen Meisterschaft, die nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern bei Hannover 96 nun höchstwahrscheinlich ist. Der ebenso eifrige ZDF-Reporter Rolf Töpperwien hätte am liebsten jeden Bayern abgebusselt, nachdem er kurz zuvor von Münchens Manager Uli Hoeneß verbal abgewatscht worden war. Töpperwien hatte sich die Frage erlaubt, ob es nicht glücklich gewesen sei, dass der in der 87. Minute eingewechselte Owen Hargreaves nach 89 Minuten und 40 Sekunden traf. Nach einem mittleren Wutanfall von Hoeneß ("Wieso Glück?!") einigten sich die Gesprächspartner darauf, dass es "schön" gewesen sei. Danach fasste der Manager einen Entschluss. Mit hochrotem Kopf und erhobenem Zeigefinger drohte er Münchner Journalisten, in den nächsten Tagen gar nichts mehr zu sagen. Die Berichte über das Aus der Münchner in der Champions League gegen den FC Chelsea hatten ihm nicht gefallen.Wie gut, dass wenigstens die peruanische Frohnatur Claudio Pizarro trällernd in die Kabine entschwand, sonst hätte der Eindruck entstehen können, der FC Bayern habe den Titel verspielt. Das Gegenteil war der Fall, und dies zu leugnen, fiel den Münchnern zunehmend schwerer. Offizielle Sprachregelung war, dass es für Gratulationen zu früh sei; "aber wir haben natürlich einen Riesenschritt gemacht", sagte Roy Makaay.Oliver Kahn nannte immerhin handfeste Gründe, warum der Titel zum 19. Mal nach München gehen wird: "Aus der Tradition des FC Bayern heraus haben wir gute Nerven." Der Verein sei Titelkampf erfahren wie kein anderer, und es habe schon spannendere Ausgangspositionen gegeben als die aktuelle. Bei fünf ausstehenden Spielen haben die Münchner sechs Punkte Vorsprung. Und am Sonnabend um 17.12 Uhr waren es nur drei gewesen. Es sprach also einiges für die noch nie ernsthaft widerlegte Theorie vom Bayern-Dusel. Bis Kahn aufklärte: "Es gibt kein Glück. Man muss es erzwingen." Dass Schalke ein Beinahe-Eigentor schoss und Hargreaves aus zwanzig Metern in den Winkel traf, "das sind alles Facetten". Es zeige, dass Bayern den Tick besser sei - genau wie sie gegen Chelsea den Tick schlechter gewesen seien.Owen Hargreaves hatte die Partie am Dienstag gegen seine englischen Landsleute nur von der Tribüne aus verfolgen dürfen. Das tat weh, weil Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson auch dort saß. Hargreaves hätte also Grund gehabt, ein bisschen zu trällern, aber der Mittelfeldspieler entschied sich für ähnlich nüchterne Reaktionen wie sein Trainer: "Fußball ist ein Tagesgeschäft." Das zudem feste Regeln habe, die besagen: "Die anderen spielen 90 Minuten, ich hocke 90 Minuten. Dann brauche ich auch mehr Training." So erklärten sich die zusätzlichen Einheiten in den vergangenen Tagen, darunter Torschüsse. Sein einziger davon saß am Sonnabend, und das, so gestand Hargreaves, sei sehr wichtig im Hinblick auf die Meisterschaft. Wenn auch "natürlich etwas glücklich", wie Magath ergänzte. Wenn das mal keinen Ärger mit Uli Hoeneß gibt.Der Manager brach sein selbst auferlegtes Schweigegelübde übrigens noch. Als ihn ein eifriger Ordner fragte, ob er ihm die Tasche die restlichen 37 Meter zum Bus tragen dürfe, sagte Hoeneß: "Ja."------------------------------"Das ist ein schöner Samstag." Bayern-Trainer Felix Magath über die Patzer der Konkurrenz------------------------------Foto: "Das war ein spontaner Entschluss": Owen Hargreaves beschließt mit souveräner Willkür, die Entscheidung im Titelkampf ein wenig zu forcieren.