Manche Bezirke sind geschäftig, andere behäbig – und es ist sinnlos, sich dem jeweils herrschenden Tempo widersetzen zu wollen. In Prenzlauer Berg soll es immer großstadtneurotisch schnell zugehen, da schwimme ich mit im Strom der Menschen, die auch nachts nicht anders können als zu hasten. Die Danziger Straße hat rund um die Uhr dieselbe lärmige Geschwindigkeit – nichts wie weg da.

Dafür bekommt man in anderen Gegenden gleich einen haraldjuhnkehaften Schlenderschritt, sobald man den U-Bahnhof verlassen hat. Man blickt in Vorgärten, in denen Rosenkugeln farbsortiert aufgestellt worden sind, man schaut in Hochparterre-Wohnungen, in deren Geschirrschränken ganze Familien unterkämen, hätten sie nicht genug Platz, sich an gigantischen Esstischen zum Abendessen zu versammeln. Fremde Welt! Und nirgends eine Imbissbude! Dafür singt neben all dem Stuck eine Nachtigall.

Am nächsten Tag wird mich das allwissende Online-Lexikon aufklären, dass so spät im Mai nur noch „unverpaarte Männchen“ unter den Nachtigallen nachts sängen. Unverpaart, was für ein tolles Wort. Vermutlich singen auch bei den Menschen die unverpaarten Männchen eher als die verpaarten, aber andererseits nicht so schön wie die Nachtigallen – und die zivilisierende Kraft der Weibchen ist bei uns Menschen auch nicht so besonders groß.

Aber ach, wie idyllisch war doch der Besuch bei den Verwandten in Wilmersdorf.