Berlin - Ob Quäker, Mahayana-Buddhisten, neuapostolische Kirche oder islamischer Verein – die Liste der in Berlin vertretenden Religionen und Religionsgemeinschaften ist lang. Etwa 250 gibt es offiziell, doch öffentlich in Erscheinung treten die meisten nicht. Das soll sich ändern: 64 von ihnen präsentieren sich am kommenden Sonnabend ab 18 Uhr bei der 1. Langen Nacht der Religionen. Diese soll wie die Langen Nächte der Museen oder Wissenschaften regelmäßig stattfinden und den Berlinern die Möglichkeit geben, Orte des Glaubens zu besichtigen und Religionen kennenzulernen.

Die Idee zur Nacht entstand beim Dialog der Kulturen, einer Initiative der Senatskanzlei. „Eine der dort entstandenen Gruppen hat die Lange Nacht organisiert“, sagte am Donnerstag Hartmut Rhein, Berlins Beauftragter für Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.

In einer Stadt wie Berlin dürften keine solch furchtbaren Übergriffe passieren, erklärte Rhein in Anspielung auf den Überfall auf einen jüdischen Rabbiner am Mittwoch. „Dass ein Mensch von anderen wegen seiner Religionszugehörigkeit angegriffen wird, ist verabscheuungswürdig.“

Mehr voneinander lernen

Unter den 20 Personen, die die Lange Nacht vorbereitet haben, ist auch Ranjit Kaur, die Sprecherin der aus Indien stammenden Sikh-Gemeinde, die ihren Sitz in Reinickendorf hat. „Ich habe bei der Vorbereitung festgestellt, wie wenig auch wir voneinander wissen“, sagte sie. Vielfach herrsche Unwissenheit, und daraus resultierten Vorurteile. Beides abzubauen, dazu könne die Lange Nacht beitragen. Sie freue sich sehr, Berliner in ihrer Gebetsstätte zu begrüßen. „Wir werden erst gemeinsam beten und dann essen.“ Wissenswertes zu vermitteln, versprach die Muslimin Aisha Karaduman. „Es ist kein Geheimnis, dass wir fünf Mal am Tag beten – aber wer hat das schon gesehen?“

Ein Bus-Service wie die Lange Nacht der Museen bietet die Lange Nacht der Religionen nicht – noch nicht. Sie habe Potenzial, verspricht Hartmut Rhein. Er sei überzeugt, dass die Zahl der teilnehmenden Religionen nächstes Jahr größer sein wird. „Die Lange Nacht der Museen hat auch klein angefangen.“ Etliche Gemeinschaften wollten zunächst schauen, wie die Lange Nacht bei den Berlinern ankommt. Nicht dabei ist auch die Jüdische Gemeinde. Das allerdings, weil ihre Ressourcen nicht ausreichen: Bei ihr stehen eigene Großveranstaltungen an.