In dieser Woche beginnen die Gespräche zur Planung des Kreuzberger Myfests 2016. Mehr als 12 Jahre nach seiner Erfindung wächst jedoch die Kritik an dem bunten Straßenfest, das Kreuzberg ursprünglich gegen Krawalle am 1.?Mai schützen sollte, wegen Sicherheitsmängeln aber inzwischen selbst zu einer Gefahr für den Kiez geworden ist. Wie berichtet hat ein Anwohner gegen eine Neuauflage des Fests geklagt.

Zur Begründung verweist er sowohl auf die Belastung der Nachbarn durch Lärm und Urin in den Hausfluren, als auch auf die Sicherheitsprobleme. Mit 45?000 Besuchern war das Festgelände zwischen Oranienplatz, Görlitzer Bahnhof und Mariannenplatz überfüllt. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) betont zwar, es gebe ein Sicherheitskonzept. Doch offenkundig hat es versagt. Nach Meinung zahlreicher Beobachter und Experten hätten etwa Rettungskräfte keine Möglichkeit gehabt, zu Verletzten vorzudringen.

Dennoch gibt es einen großen Willen, das Myfest fortzuführen. „Wir wollen das Fest auf jeden Fall erhalten“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bezirk, Andy Hehmke, am Sonntag der Berliner Zeitung. „Es muss aber kleiner, ursprünglicher und politischer werden.“ Ursprünglich sei das Myfest für die Anwohner gedacht gewesen. Inzwischen sei es eine Touristenattraktion, viele Besucher wüssten vom Anlass des Festes offenkundig nichts.

Mit Kindern sei es längst zu gefährlich, das Festgelände und die umliegenden Straßen, die mit einer Viertelmillion Menschen ebenfalls überfüllt waren, zu betreten. Hehmkes Vorschlag: „Man könnte die Zahl der Bühnen und der Essensstände verringern und das Gelände verkleinern.“

Der Fraktionschef der Linken, Reza Amiri, betonte: „Das Myfest ist weiterhin ein großer Erfolg, das findet sogar der Innensenator.“ Dass es an die höheren Besucherzahlen angepasst werden müsse, darüber herrsche aber große Einigkeit. Er sieht insbesondere das Bezirksamt und die Polizei in der Verantwortung, ein neues Sicherheitskonzept zu erarbeiten.

Unter den Beamten wiederum kursieren offenbar ganz andere Ideen, wie sich das Myfest sicherer machen ließe. Steven Feldmann, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte der Berliner Zeitung: „Das Fest entspricht keinerlei Sicherheitsstandards. Es waren in diesem Jahr keine Rettungswege vorhanden, obendrein wurde hemmungslos Alkohol konsumiert.“

In Kreuzberg lässt sich das Myfest aus seiner Sicht nicht mehr unter verantwortbaren Umständen abhalten. „Wir brauchen ein zergliedertes Fest“, sagte er. Es müsse Attraktionen an verschiedenen Orten in der Stadt geben. „Kreuzberg ist groß, und auch Friedrichshain und Prenzlauer Berg könnte man einbeziehen.“ Entscheidend sei, „erlebnisorientierten Menschen“ eine Alternative zu Krawallen zu bieten – und auch all jenen, die ihnen zuschauen.

Was Bezirksbürgermeisterin Herrmann von solchen Vorschlägen hält oder ob sie selbst welche hat, behielt sie am Wochenende leider für sich. Mehrere Anfragen der Berliner Zeitung ließ Herrmann unbeantwortet.