1. Mai Berlin Brennpunkt Rigaer Straße: Eskaliert die Mai-Gewalt an dieser Absperrung?

Berlin - Bis zu 10.000 Demonstranten werden zu der Revolutionären 1. Mai Demo in Friedrichshain erwartet. Darunter werden nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden auch gewaltbereite Linksautonome und der sogenannte „Schwarze Block" sein. Die Route soll auch durch die Rigaer Straße führen - doch die ist wegen einer Baustelle von den Hausnummern 36/ 38 bis 71/ 73 voll gesperrt. Was bedeutet: Kein Durchkommen für die wütenden Demonstranten. Droht hier eine Eskalation der Gewalt?

Normalerweise ist der Zaun, mit dem die Baustelle mehrerer in linken Kreisen umstrittener Neubauten geschützt wird, von 17 bis sechs Uhr morgens sowie Sonntags ganztägig geöffnet und nur während der Arbeiten am Tage geschlossen. Doch am 1. Mai bleiben die Tore geschlossen, die Rigaer Straße ist dicht.

„Bitte auch Wut mitbringen"

Auf einer linksradikalen Internetseite wird der Polizei nun vorgeworfen, die Baustelle nur als Vorwand zu nutzen: „Bullen wollen Baustelle des Spekulanten (...) in der Rigaer als Barrikade benutzen.” Die Polizei hatte trotz der fehlenden Anmeldung bereits angekündigt, sie wolle mit den Organisatoren der Demonstration (startet um 18 Uhr am Wismarplatz) noch über die Strecke verhandeln. Doch die wollen weiterhin an ihrer Route festhalten. Und kündigen für den Fall, dass die Polizei das verhindern sollte, bereits einen „Plan B" mit indirekter Gewaltaufforderung an: „21 Uhr, Schleidenplatz (dann aber bitte auch Wut über das Scheitern von Plan A mitbringen)". 

Hausbesetzer wollen Patriarchat angreifen

Auch die Hausbesetzer aus der von einer Räumung bedrohten Liebigstraße 34, die nur einen Steinwurf von der Rigaer Straße entfernt liegt, scheinen es unterdessen auf eine direkte Konfrontation anzulegen. „Während wir aus unserem Kiez vertrieben werden sollen, lässt Investor Gröner seine Baustelle abriegeln", heißt es in einem aktuellen Aufruf. „Heraus zum ersten Mai, gegen die Stadt der Reichen! Kommt am 1. Mai ab 18 Uhr zum Wismarplatz!" 

Die Demonstration am 1. Mai könne „ein Austesten sein, was Senat und Polizei erwarten, wenn sie es wagen sollten uns zu räumen. Wir sind nicht nur die Liebig34, wir sind viele und verdammt wütend!" Dann fordern die Besetzer: „Lasst uns Lösungen gegen Gentrifizierung, Staat und Patriarchat finden und angreifen". 

Wie genau die Polizei am Abend reagieren wird, weiß niemand. Das könne „erst am Einsatztag selbst entscheiden", wenn man wisse, wie viele Demonstranten tatsächlich kommen  und wie sich diese verhalten, hieß es aus Polizeikreisen.

(tc)