Am Vorabend des 1. Mai ist es in Berlin weitgehend friedlich geblieben. Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich „sehr zufrieden“. Eine Demonstration mit etwa 2300 Teilnehmern in Wedding verlief laut Henkel am Samstagabend nahezu störungsfrei. „Das Polizeikonzept ist dort komplett aufgegangen.“ Bislang vermeldete die Polizei keine Festnahmen.

Linke und linksradikale Gruppen hatten gegen steigende Mieten, Rassismus und Gentrifizierung protestiert. Sie zogen vom U-Bahnhof Osloer Straße bis zum U-Bahnhof Bernauer Straße. Es gab laut Polizei einige kurzzeitige Freiheitsbeschränkungen. Fünf Anzeigen wurden geschrieben, unter anderem, weil Reizgas mitgeführt wurde.

Zu sehen waren in dem Zug auch schwarz gekleidete Mitglieder der linksautonomen Szene. Auf einem Hausdach hatten Vermummte Fahnen geschwenkt. Vereinzelt wurden Böller und Signalfeuer gezündet.

Laut Polizei sollten in der Walpurgisnacht knapp 2500 Beamte im Einsatz sein. Darunter waren auch Kommunikationsteams in gelben Westen und Zivilpolizisten.

Ein Teil der Demonstranten zog - begleitet von Polizisten - mit der U-Bahn nach Nord-Neukölln, wo ein Protest mit mehreren Hundert Teilnehmern angemeldet war. Demonstriert wurde für den Erhalt eines Kiezladens in der Friedelstraße.

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot dort. Die Kreuzung Reuter-/Ecke Weserstraße wurde abgesperrt. Junge Menschen saßen bei Musik auf der Straße. Laut Polizei verlief die Aktion mit 400 bis 500 Teilnehmern „komplett friedlich“.

Party statt Randale

Im Mauerpark wurde am Samstagabend entspannt in den 1. Mai gefeiert. Dort galt erstmals seit Jahren kein Verbot von Flaschen mehr. Diese waren in der Vergangenheit auch als Wurfgeschosse gegen Polizisten eingesetzt worden.

Nun bot sich ein anderes Bild: Menschen sangen oder tanzten, auch kleinere Feuer durften entzündet werden und leuchteten in den Abendhimmel. „Es ist immer besser geworden“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Da brauche es keine Beschränkungen mehr.

In früheren Jahren hatte es ebenso wie am 1. Mai auch in der Walpurgisnacht immer wieder Ausschreitungen von Linksautonomen gegeben. Die Gewalt ging aber stark zurück. Im vergangenen Jahr warfen zwar Demonstranten Flaschen auf Polizisten, aber zu größeren Krawallen kam es nicht. Nun twitterte die Gewerkschaft der Polizei: „Unser Beitrag zur Deeskalation: Gute Laune statt Randale.“

Linke rufen zu Krawall auf

Gewalt war in den Vergangenheit immer wieder von der „Revolutionären 1.Mai-Demonstration am Abend des 1. Mai ausgegangen. In diesem Jahr werden zu dem Protestzug durch Kreuzberg, Mitte und Neukölln voraussichtlich 15.000 bis 20.000 Teilnehmer erwartet.

Auf dem alternativen Medienportal Indymedia hatten im Vorfeld der Veranstaltung am Samstag vermutlich linksextremistische Aktivisten zu Krawallen und unangemeldeten Versammlungen aufgerufen. Im Wortlaut werden "dezentrale Aktionen im Vorfeld der Demonstration rund um und im Myfest" geplant.

In den vergangenen Jahren hatte die Polizei in den Stadtteilen größere Krawalle unterbunden. Rund um den Mai-Feiertag sind etwa 6500 Polizisten im Einsatz, darunter auch Kräfte der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern. Die Hauptstadt-Polizei setzt auf eine Doppelstrategie aus Gesprächen und hartem Durchgreifen bei Gewaltausbrüchen. (dpa/BLZ)