Berlin - In der Walpurgisnacht und am 1. Mai gibt es viel zu tun für Demonstranten und Polizei. Nach zahlreichen Verhandlungen herrscht über mehrere Demonstrationsrouten nun zum Teil Einigkeit zwischen Veranstaltern und Polizei.

Am kommenden Dienstagabend will ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen unter dem Motto „Gemeinsam gegen Nazis in Schöneweide“ ab 17 Uhr in Nieder- und Oberschöneweide demonstrieren. Die Polizei glaubt, dass die Veranstaltung weitgehend friedlich bleibt, da auch viele Teilnehmer aus dem bürgerlichen Spektrum erwartet werden.

Eine weitere Veranstaltung ist für den selben Abend in Wedding angemeldet. Mehrere hundert Teilnehmer werden dort zur „Antikapitalistischen Walpurgisnacht“ erwartet. Am S-Bahnhof Gesundbrunnen soll am Abend eine Demonstration gegen steigende Mieten beginnen.

Polizei will Routen von Nazi-Demos veröffentlichen

Die Polizei geht davon aus, dass es auch in Wedding zu keinen größeren Ausschreitungen kommt. Voriges Mal hatte es lediglich einige Steinwürfe gegeben. Deshalb schätzte die Polizei den 30. April 2012 als „die friedlichste Walpurgisnacht seit Beginn der Aufzeichnungen“ ein.

Wesentlich ruppiger könnte es dagegen am darauffolgenden Mittwoch zugehen: Am 1. Mai will ab Mittag die NPD durch Schöneweide ziehen. Eine zweite Anmeldung für Marzahn zog der Veranstalter zwischenzeitlich zurück. Wahrscheinlich planen die Neonazis ihren Aufzug unter anderem in der Brücken-, der Edison- und der Wilhelminenhofstraße.

Die Polizei will die Route von Nazi-Demos künftig nicht mehr geheim halten, wie sie es in der Vergangenheit oft getan hat. Polizeipräsident Klaus Kandt wird die Route an diesem Freitag bei einer Pressekonferenz offiziell bekanntgeben. Seit Monaten mobilisieren linke Gruppen bundesweit nach Schöneweide, um die vermutete Aufmarschstrecke zu blockieren. Die Polizei steht vor dem Dilemma, die verfassungsmäßig garantierte Demonstrationsfreiheit auch für die NPD auf der angemeldeten Route durchsetzen zu müssen.

Wesentlich unkomplizierter dürfte für die Ordnungshüter die Großdemonstration des DGB in Mitte werden, zu der mehrere zehntausend Teilnehmer erwartet werden. Hier hat sich lediglich ein „antikapitalistischer Block“ angemeldet, der erfahrungsgemäß auch von einigen Autonomen besucht wird. Unkompliziert dürfte auch die für 13 Uhr geplante „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration in Kreuzberg sein. Sie fiel in den vergangenen Jahren sogar mangels Beteiligung aus.

Ganz ohne Anmeldung soll es um 17 Uhr aus dem Myfest in Kreuzberg heraus eine Demonstration geben. Ihr Motto: „Schnauze voll: Verdrängung stoppen – Zwangsumzüge verhindern! Miet-Streik jetzt!“

Gewissheit herrscht nun auch zur Route der Demonstration, die ab 18 Uhr geplant ist. Sie soll am Lausitzer Platz beginnen und über den Spittelmarkt zur Straße Unter den Linden führen. Im vergangenen Jahr gab es ähnliche Pläne, man wollte bis in die City Ost marschieren. Allerdings endete die 18-Uhr-Demo vor dem Jüdischen Museum in Chaos und Straßenschlachten.