Schwarz gekleidete Demonstranten werfen Böller auf die Polizei, bengalische Feuer werden angezündet, doch die Beamten halten sich zurück. Nur vereinzelt kommt es am Donnerstagabend zu Beginn der „revolutionären 1. Mai Demo“ durch Kreuzberg zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Die Demo steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gegen Krise, Krieg und Kapital“. Laut Polizei sind es rund 19.000 Teilnehmer, die Veranstalter gingen von mehr als 20.000 Personen aus. Aus Kreisen der Demonstranten werden Autos, die am Straßenrand parken, beschädigt. Außenspiegel werden abgetreten, der Lack zerkratzt. Hin und wieder fliegen Steine. Als es immer mehr werden, greift die Polizei ein. Es kommt zu Festnahmen.

Gegen 21.30 Uhr endet der Zug an der Bundeszentrale der SPD in der Wilhelmstraße. Danach kommt es zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Störern. Im U-Bahnhof Hallesches Tor setzten die Einsatzkräfte Reizgas ein und räumten den überfüllten Bahnhof. Der Zugverkehr wurde unterbrochen. Dort wurden nach Angaben eines Sprechers fünf Beamte verletzt.

Gegen 23 Uhr griffen Demonstranten auch am Kottbusser Tor Einsatzkräfte an. Flaschen, Pyrotechnik und Farbbeutel flogen Richtung Polizei. Vereinzelt nahm die Polizei Demonstranten fest.

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Innensenator Frank Henkel (CDU) lobt noch am Abend die Polizei für ihr besonnenes und konsequentes Verhalten. Rund 6400 Polizisten aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz.

Keine schweren Gewaltausbrüche

Henkel (CDU) will an diesem Freitag eine Bilanz vorlegen. Bei der Pressekonferenz (14.00) wird auch Polizeipräsident Klaus Kandt seine Einschätzung darlegen. Nach Einschätzung der Behörde blieben schwere Gewaltausbrüche wie in früheren Jahren aber aus. Immer weniger Menschen ließen sich von Gewalt mitreißen, sagte ein Sprecher.

Myfest – voll und friedlich

Zehntausende Menschen feierten beim traditionellen Myfest bis in die späten Abendstunden in Kreuzberg friedlich. Rund um Oranienstraße, Naunynstraße und Mariannenplatz schoben sich die vielen Menschen geduldig aneinander vorbei. Anwohner verkauften türkische Gerichte wie Köfte und Börek vor ihren Haustüren, Restaurants und Cafés im Viertel boten Bier, Cocktails und andere Getränke an. Auf Bühnen spielten mehr als 160 Bands und Musiker, auch DJs waren dabei.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte 300 Stände genehmigt, der Senat unterstützte das selbst organisierte Straßenfest der Anwohner und Gewerbetreibenden in diesem Jahr mit 215.000 Euro. Die Stimmung war entspannt und „absolut friedlich“, sagte ein Polizeisprecher.

Viele Besucher lagen auf dem Rasen des Oranienplatzes, die hungerstreikenden Flüchtlinge dort zogen sich an diesem Tag zurück. Der Kiez glich einem Rummelplatz: Straßenmusiker und Akrobaten sorgten für Unterhaltung, ein Shiatsu-Zentrum bot Rückenmassagen auf der Straße an. Einige Anwohner witterten sogar das große Geschäft. Sie stellten Leitern auf die Straße und kassierten einen Euro, wenn jemand von oben die Massen fotografieren wollte.

Walpurgisnacht friedlich

Bereits am Vorabend war die Walpurgisnacht weitgehend friedlich verlaufen. Die Polizei war mit rund 2400 Beamten im Einsatz. Nur vereinzelt gab es Störungen. An der Demonstration durch Wedding nahmen rund 3 000 Menschen teil. Immer wieder zündeten Demonstranten Böller, vereinzelt wurden Polizisten mit Eiern beworfen. Um 22.10 Uhr beendete der Veranstalter den Aufzug vorzeitig. Als Grund nannte er die starke Polizeipräsenz.

Im Mauerpark in Prenzlauer Berg feierten nach Angaben der Polizei bis zu 1300 Menschen ausgesprochen friedlich. Dort galt auch dieses Jahr wieder ein Flaschen- und Dosenverbot, was in der Vergangenheit zur friedlichen Stimmung beigetragen hatte.

In der Neuköllner Hasenheide hielten sich rund 5000 Personen auf. Es blieb friedlich. Lediglich im Kreuzberger Viktoriapark musste die Polizei einschreiten. Als sie Feuerstellen löschte, wurden Beamte mit Flaschen beworfen, zwei wurden leicht verletzt. (mit dpa)