Potsdam - An Brandenburg denkt man sicherlich nicht zuerst, wenn der Begriff Manufaktur fällt. Dabei bildet das Bundesland am Freitag den Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe, die sich mit eben dieser Handwerkskunst beschäftigt und die Manufakturen des Landes hervorheben will.

In Potsdam findet dann der erste Brandenburger Manufakturentag mit einer Ausstellung und einem Festakt statt. Der Manufakturentag in der Landeshauptstadt ist gleichzeitig der Beginn der Reihe Deutsche Manufakturenstraße. Diese will die bundesweit besten handwerklichen Produzenten zusammenbringen und sie entlang einer Strecken von 2500 Kilometern an den Orten der Manufakturen präsentieren: Auf Schlössern, auf Gutshöfen auf dem Land oder in ausgedienten Fabrikhallen.

Die Idee dazu kommt aus dem Berliner Direktorenhaus, einem Galerie- und Kunstzentrum namens Am Krögel, das 2010 von Pascal Johanssen und Katja Kleiss gegründet wurde. Der Kunsthändler Johanssen, 43, sagt, er sei durch sein vielfältiges Kulturinteresse irgendwann zwangsläufig beim Thema Manufakturen gelandet und beschreibt das Projekt so: „Der Brandenburger Manufakturentag ist der Startschuss zur Brandenburger Manufakturenstraße, die wiederum Teil der Deutschen Manufakturenstraße ist – einer Ferienstraße entlang von rund 600 deutschen Manufakturen, einem thematischen und kulturellen Trip quer durch Deutschland auf vier großen Regionalrouten.“

Identitätsstiftend für Regionen

Bedeutend sei hierbei, so Johanssen, nicht nur der Gegenstand, der in der Manufaktur handwerklich produziert werde von der Fliese, über die Uhr bis hin zur Schokolade, sondern auch der Umstand, dass dieser Gegenstand identitätsstiftend für eine bestimmte Region sei.

Porzellan aus der Manufaktur Hedwig Bollhagen in Marwitz wäre hierfür ein klassisches Beispiel. „Als Manufakturen bezeichnen wir meist mittelständische, oft in Familie betriebene Handwerksstätten, die einen sehr hohen Handarbeitsanteil in ihrer Produktion haben, sodass das Produkt nicht mal so eben globalisierbar und vervielfältigbar ist“, so Johanssen , der die Berliner Porzellanmanufaktur KPM als ein Beispiel dafür nennt, dass Manufaktur weltweit bekannt sein kann, ohne zu einem austauschbaren Massenprodukt zu werden.

„Es geht uns um zwei Dinge: Dass die Produktion zum großen Teil in Deutschland stattfindet und zu einem nicht geringen Teil handwerklich ist, ein deutlicher Unterschied zur Industrie mit ihrer Vervielfältigung und Automatisierung, die menschliche Meisterschaft in der Produktion ist für maßgeblich bei der Auswahl der Teilnehmer.“

Dass die Brandenburger Manufakturlandschaft zu einem guten Teil auch eine der Hauptstadt Berlins ist, ist den Machern bewusst. So nehmen beispielsweise Unternehmen wie die Berliner Modistin Fiona Bennett am Brandenburger Manufakturentag teil. „Berliner Einflüsse haben sich in Brandenburg vervielfältigt, man kann Land und Stadt hier nicht so einfach trennen, wie in anderen Bundesländern, wo die Manufakturendichte höher ist und ganz klar bestimmte Regionen umfasst und abgrenzt, wie es vielleicht ein Unternehmen wie die Uhrenmanufaktur Glashütte in Sachsen tut“, so Johanssen.

Wohliges Flair

20 Brandenburger Manufakturen werden am Freitag ihre Produkte ausstellen, darunter die Porzellanmanufaktur Achatporzellan aus Rheinsberg, die Grafiker Carta Forma aus Oberkrämer, Keramik von Golem aus Berlin, die Manufaktur Hedwig Bollhagen aus Marwitz soeie Holz Design Skulptur aus dem Oderbruch und die Spreewälder Confiserie Felicitas. Ergänzt wird die Schau um eine Präsentation der Fachhochschule Potsdam. Die Absolventen der Design-Studiengänge zeigen ihre Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit Brandenburger Handwerksfirmen und internationalen Herstellern entstanden sind.

Dass das Wort Manufaktur mittlerweile auch von einem Bürgertum vereinnahmt wird, das sich vielleicht mit dem Erwerb eines handwerklich gefertigten Stückes eine Art von wohligem rückwärtsgewandtem Flair verspricht, ist Johanssen bewusst. Wichtig ist es ihm aber zu betonen, dass Manufaktur keineswegs als eine Art prätentiöser Produktherstellung angesehen werden darf. „Natürlich haben handgemachte Dinge eine Art von Aura und oft einen besonderen persönlichen Wert. Aber sie sind keine Luxusprodukte, die besonders opulent daherkommen müssen“, sagt Johanssen. „Wir verstehen Manufaktur als eine gute Alternative zur Massenproduktion.“

Mit dem Thema hat Johanssen in Zeiten von nachhaltiger Produktion und einer allgemeinen Skepsis gegenüber Dingen und Lebensmitteln aus industrieller Massenproduktion sicherlich einen Trend besetzt, der hochaktuell ist.