Berlin - Georg Senoner sitzt auf einer Holzbank auf dem Washingtonplatz. Auf der Terrasse seines Pizza-Restaurants Allermunde ist an diesem trüben Tag nicht viel los. Es ist zu kalt, die Leute sitzen lieber drinnen, um Mittag zu essen. Georg Senoner kennt die Gegend am Hauptbahnhof – der Glaspalast wird heute zehn Jahre alt – wohl am besten von den Anrainern. Drei Jahre nach der Eröffnung des Bahnhofs hat er 2009 in dem Pavillon auf dem Platz ein Café eröffnet, 2012 das Restaurant. „Wir haben die Sandwüste miterlebt. Hier gab es nichts.“

Die Sandwüste hatte zumindest einen Vorteil: Es gab an jeder Ecke Strandbars wie den Bundespressestrand, dort konnten Partys gefeiert werden, ohne dass sich jemand beschwerte, man konnte die Füße in echten Sand graben. Vor allem das machte die Gegend am Hauptbahnhof besuchenswert. Senoner blickt die Spree entlang, am einstigen Bundespressestrand steht jetzt ein Bundesministerium. Auch an die Bars am Humboldthafen erinnert nichts mehr, außer Brachflächen, auf denen irgendwann gebaut werden soll. „Ich bin hier als einziger übriggeblieben“, sagt Senoner, und klingt fast sentimental.

Viele Gebäude sind in den Jahren entstanden, Hotels, Büros. Der Gastronom hätte sich lieber ein quirliges Quartier gewünscht. Mehr Restaurants, mehr Cafés, mehr Läden. „Ich empfinde das Gebiet leider noch als eine wenig lebendige Ecke“, sagt er. Steffi Wisotzky ist seit 2012 die Direktorin des Intercity-Hotels nebenan. Sie erinnert sich noch gut daran, dass sie damals ihr erstes Büro in einem Baucontainer eingerichtet hat, das Hotel war noch im Bau. „Es ist faszinierend und einzigartig, wie in mitten einer Millionenmetropole ein komplett neues Quartier entstehen kann.“ Touristen und Geschäftsleute prägen die Atmosphäre.

Großinvestor am Hauptbahnhof ist das Unternehmen CA Immo. Es hat den Total-Tower errichtet, das Intercity-Hotel, das Kennedy-Haus. Eigentlich sollten öffentliche Nutzungen in den Erdgeschossen „Leben in die Häuser“, bringen, hatte sich CA Immo vorgenommen. Doch das hat bisher nicht geklappt. „Die Gastronomen sind vorsichtig. Viele sagen, baut den Cube. Darüber sind wir selbst nicht sehr glücklich“, sagt CA Immo-Sprecher Markus Diekow.

Der Cube soll im Zentrum des Washingtonplatzes stehen, dort wo das Allermunde noch ist. Wenn es abends ruhiger ist, hört man das Carillon im Tiergarten spielen. Schließt man die Augen, meint man, in einer Kleinstadt zu sein. Irrtum, es ist das Zentrum Berlins. Daran will CA Immo weiterarbeiten. Das Allermunde muss weg, um die Jahreswende soll der Bau des 42 Meter hohen Cube beginnen, so Diekow.

Senoner hat schon die Kündigung, er sieht auf die leeren Läden in der Umgebung. Er kann sich vorstellen, dort einzuziehen.