Michael Müller (SPD) will Berlin zur Modellregion für das  365-Euro-Ticket machen.
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BerlinVor 100 Jahren hat Berlin die Weichen gestellt für eine Hauptstadt, wie man sie heute kennt. Denn am 1. Oktober 1920 trat das Groß-Berlin-Gesetz in Kraft, durch das Berlin mit den sieben umliegenden Städten, sowie 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zusammenwuchs.

Über Nacht wurde Berlin so zu einer knapp 4-Millionen-Einwohner-Metropole, eine Marke also, auf die die Stadt inzwischen wieder zusteuert. Nach London und New York war Berlin damit die drittgrößte Stadt nach Anzahl der Einwohner. Flächenmäßig lag nur Los Angeles noch vor Berlin. Grund genug, dieses Jubiläum der Stadt gebührend zu feiern.

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Zentrale Ausstellung „Chaos & Aufbruch – Berlin 1920/2020“

Am 1. März 2017 gründete sich dazu die „Initiative 100 Jahre (Groß-)Berlin“ mit dem Ziel, durch Ausstellungen und Veranstaltungen diesen Geburtstag angemessen zu würdigen. So wird es in jedem Stadtteil über das Jahr verteilt Ausstellungen in den Bezirksmuseen geben, es wird ein großes Bürgerfest mit Open-Air-Kino vor dem Roten Rathaus stattfinden, Fachgespräche und Veranstaltungen geben.

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Die zentrale Ausstellung „Chaos & Aufbruch – Berlin 1920/2020“ zu Groß-Berlin wird am 26. April im Märkischen Museum eröffnet. „Es war spektakulär, was 1920 passiert ist. Es war aber nicht unumstritten. Denn es gab auch Vorortgemeinden, die nicht so begeistert waren von Groß-Berlin“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Programms. Schon damals habe es eine Rolle gespielt, wie man so eine riesige Stadt organisiert, wie man sie zu einer liebens- und lebenswerten Stadt mache, in der möglichst viele Menschen auch möglichst gut zusammenleben können.

Ausbau im Bereich Wissenschaft und Forschung

So habe der Ausbau der Infrastruktur, der kommunale Wohnungsbau oder der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Fokus gestanden. „In den 20er-Jahren wurden 40 Kilometer U-Bahnlinien gebaut. Das folgte dem Anspruch, eine gute Stadt zu organisieren – und zwar nicht für einige wenige, sondern für möglichst viele“, so Müller. Auch heute könne man Berlin noch immer weiter entwickeln. Chancen müsse man sehen und sie nutzen. Er setze daher auch in diesem Jahr auf den Ausbau Berlins im Bereich Wissenschaft und Forschung.

Als Beispiel nannte der Regierungschef das neue Herzzentrum, das in einem Neubau auf dem Charité Campus Virchow-Klinikum entstehen soll und das der Bund mit 100 Millionen Euro bezuschusst. Anspruch müsse sein, das modernste und digitalste Herzzentrum der Welt zu schaffen, betonte Müller.

365-Euro-Ticket: Berlin als Modellregion?

Auch beim Siemens-Campus würde die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Forschung sichtbar. Hier soll das autonome Fahren getestet werden und an Lösungen für den Klimaschutz gearbeitet werden. Siemens will zudem mehr als einhundert Jahre nach dem Bau der Siemensstadt in Spandau den Standort zu einem Zukunftscampus entwickeln.

Aber auch die Urban Tech Republic, die auf dem Tegel-Gelände in den kommenden Jahren entstehen soll, sei Teil dieser Chancen für Berlin. Hier soll ein innovativer Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien entstehen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Müller will Berlin zu einer Modellregion für das 365-Euro-Ticket erklären lassen.

Michael Müller: „Berlin ist auf jeden Fall dabei“

Mit einem Brief hat sich der Senatschef dazu an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gewandt und schon mal Berlins Interesse bekundet. Denn das Ministerium will zehn Modellregionen für das 365-Euro-Ticket ausloben und finanziell fördern. Ein offizielle Bewerbung sei das noch nicht, aber die Ankündigung einer Bewerbung, so Müller.

Das Projekt des Bundes gehört zum Klimapaket, das im vorigen Jahr verabschiedet wurde. „Mit so einen Versuch muss man in die Millionenmetropole rein“, so Müller. Berlin sei für solch ein Projekt genau der der richtige Standort. Daher habe er auch jenseits des offiziellen Bewerbungsverfahrens angekündigt, dass „Berlin auf jeden Fall dabei ist“.

www.100-Jahre-gross-berlin.de