Wegen des giftigen Rauchs schwebten die Bewohner in Lebensgefahr.
Foto: Morris Pudwell

BerlinDie Bewohner eines sechsgeschossigen Wohnhauses an der Jahnstraße/Ecke Buschkrugallee sind am frühen Montagmorgen nur knapp mit dem Leben davongekommen. Ein Unbekannter hatte Feuer gelegt. Wegen des giftigen Rauchs schwebten die Mieter in Lebensgefahr. Feuerwehrleute und Rettungssanitäter mussten 100 Anwohner betreuen. Sechs von ihnen wurden wegen einer Rauchvergiftung behandelt, darunter waren zwei Kinder. Nach einer Stunde waren die Flammen gelöscht.

Der Brand war in einer offenen Garage unter dem Wohnkomplex ausgebrochen und hatte sich schnell ausgebreitet. „Jetzt überlege ich mir, nun tatsächlich wegzuziehen. Ich habe genug von der Aufregung. Ich bin hier nicht mehr sicher und habe Angst“, sagte eine Anwohnerin am Vormittag. Erst im Dezember vergangenen Jahres habe ein ehemaliger Mieter aus Frust mehrmals Feuer gelegt, berichtete sie.  Indes wächst die Angst auch unter den anderen Mietern. Die Frauen sorgen sich vor allem um das Wohl ihrer Kinder. Einige Männer reden darüber, eine Bürgerwehr aufzubauen, die wegen der Erfolglosigkeit der Polizei nachts Streife läuft. Die Polizei hingegen will ihre Streifen verstärken.

In dem Haus wohnen vorwiegend Familien mit mehreren Kindern. Die meisten haben einen Migrationshintergrund. Das weiß auch die Polizei und ermittelt nun unter anderem wegen eines fremdenfeindlichen Hintergrunds. Man habe aber keinen konkreten Hinweis darauf, hieß es im Polizeipräsidium. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher. In jedem Fall gehe man davon aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden sei, so ein Ermittler. Sichergestellte Spuren deuten darauf hin.

Ein Anwohner hatte die Feuerwehr alarmiert, die mit mehr als 50 Beamten anrückte. Insgesamt wurden sechs Autos zerstört. 24 Wohnungen sowie ein Café im Erdgeschoss mussten belüftet werden. Zwei Wohnungen sind nicht mehr bewohnbar. Während des Löschens spielten sich dramatische Szenen ab. So riskierte ein Mieter des Hauses sein Leben für seine Limousine. Während des Brandes sprang er in der Garage in sein Auto, startete es und fuhr damit durchs Feuer ins Freie. Das Auto blieb unbeschädigt.

Es ist nicht der erste Fall von Brandstiftung in dem Bezirk: Seit Wochen treibt ein Brandstifter in Neukölln sein Unwesen und zündete rund um das Rathaus Autos an. Bislang ist es der Polizei nicht gelungen, den Feuerteufel dingfest zu machen. Die Polizei registrierte in den vergangenen Monaten auch die Zunahme rechts motivierter Brandstiftungen. So wurden in der Vergangenheit mehrfach Brandanschläge auf Personen oder deren Eigentum verübt, die sich gegen rechte Tendenzen im Bezirk öffentlich ausgesprochen hatten.